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Offizieller Bericht über die im königlichen Glaspalaste zu München 1882 ... stattgehabte Internationale Elektricitäts-Ausstellung ... / W. von Beetz
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Zeichen teiegraphirt und zwar sollte das durch den Wasserstoff markirte Zeichen als das vorher-gehende, das andere als das darauf folgende gelten. (Vergl. Denkschriften der k. bayer. Akademieder Wissensch. 1809 und 10.) Später wurde die Zahl der Zeichen von funfunddreissig auf sieben-undzwanzig vermindert und eine Alarmvorrichtung hinzugefügt, um auf den Beginn des Zeichen-gebens aufmerksam zu machen. Ein mit der concaven Seite nach unten gekehrter Löffel fängt diesich beim Schluss der Säule entwickelnden Gase auf, hebt sich dadurch und lässt eine Metallkugelvon einem seitlichen Fortsatz herabgleiten, welche durch einen Trichter auf den Drücker einesWeckerwerkes fällt und dasselbe auslöst (Vergl. Jahresb. des physik. Vereins in Frankfurt . 1851).Ueber den Verbleib des ersten, mit fünfunddreissig Spitzen versehenen Telegraphen hat trotz allerMühe nichts ermittelt werden können, der zweite ist der in unserer Ausstellung stets von aufmerk-samen Beschauern umstandene und in unserer Abbildung 137 wiedergegebene. Herr Karl Soern-mering in Frankfurt , hatte die grosse Gefälligkeit gehabt, uns denselben zur Ausstellung zu über-lassen. Ueber die Geschichte der Soemrneringschen Telegraphen siehe W. Soemmering,der elektrische Telegraph, Frankfurt 1863, W. von Beetz, Rede in der k. Akademie d. Wissensch.1873 und Aug. Guerout in La lumiere electrique, 10 mars 1883.

Karl August von Steinheil, Professor der Physik und Mitglied der k. bayer. Akademieder Wissenschaften in München , gab in seinem Telegraphen die erste handliche Ausführung des vonGauss & Weber in Göttingen erfundenen elektromagnetischen Telegraphen. Eine Magnetnadel, imInneren eines Multiplicators aufgehängt, konnte durch den Strom nach Belieben nach der einen oderanderen Seite abgelenkt werden. Dadurch schlug sie jedesmal mit einen Farbebehälter, welchensie trug, gegen einen mit gleichmässiger Geschwindigkeit fortbewegten Papierstreifen und druckteauf denselben die beiden Zeichen, aus denen die Telegraphensprache zusammengesetzt wurde. Damitwar der erste Drucktelegraph gegeben. Eine ganz ähnliche Vorrichtung wurde auch zur Herstellungeines akustischen Telegraphen benutzt, indem der hin- oder herschwingende Magnet gegen zweiGlocken von verschiedener Tonhöhe schlug (Vergl. Steinheil, über Telegraphie, insbesondere durchgalvanische Kräfte; Rede in der k. bayer. Akademie der Wissensch. 1838).

Ausser diesen Telegraphen waren auch die ersten elektrischen Uhren, ebenfalls eine ErfindungSteinheils, ausgestellt. Die Aufgabe, die Zeitangabe an mehreren Zifferblättern in Ueberein-stimmung zu bringen, löste St ein heil auf eine sehr einfache Weise, auf die man in neuerer Zeit,wenn auch in anderer Art, wieder zurückgekommen ist. An einer Reihe gewöhnlicher, gut gehenderWanduhren waren über dem Zwölfuhrpunkte Gabeln angebracht, welche sich zu jeder vollen Stundedurch einen Stromschluss, den eine Richtuhr vollzog, nach rechts und nach links bewegten unddadurch den Minutenzeiger genau auf die Zahl Zwölf stellten.

Die Ausstellung der Steinheilschen Originalapparate verdankten wir der Güte des Conser-

vators der physikalischen Sammlung des Staates, Herrn Professor Dr. von Seidel.

Durch die Gefälligkeit des Herrn Hofrathes Dr. Georg Freiherrn von Liebig war dasModell eines transatlantischen Telegraphen ausgestellt worden, welches Justus von Liebig vomBaron von Elsässer zum Geschenk erhalten hatte. Es besteht aus einem Thomsonschen Galvano-

meter, dessen Magnetspiegel infolge der Luftdämpfung kurze, aperiodische Ausschläge nach der

einen oder der anderen Seite gibt, wenn ein Strom in der einen oder anderen Richtung durchseinen Multiplicator gesandt wird. Auf der Geberstation ist nichts vorhanden als eine Batterie undein commutirender Taster, auf der Empfängerstation steht der Thomsonsche Galvanometer einerLampe gegenüber, welche durch einen Spalt Licht in den Spiegel sendet. Das Spaltbild wird nachder Reflexion durch eine Linse auf eine Wand projicirt und bewegt sich folglich bei jedem Strom-schlusse nach links oder nach rechts. Aus beiden Zeichen werden die Buchstaben gebildet, wiebeim Morsetelegraphen aus Punkt und Strich.