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Offizieller Bericht über die im königlichen Glaspalaste zu München 1882 ... stattgehabte Internationale Elektricitäts-Ausstellung ... / W. von Beetz
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Feuermelder, Control-Apparate, Läutewerke,

elektrische Uhren &c.

(Von Telegraphen-Inspektor Beringen)

An der Ausstellung haben sich mit den nachfolgend bezeichneten Gegenständen betheiligt:

Die Kgl. bayerische Brandversicherungs-Kammer in München .

Ausser vierzehn kartographischen Darstellungen, welche Blitz- und Hagelschläge in denbayerischen Landestheilen rechts des Rheines beschrieben haben, waren vier Feuermeldeapparateausgestellt, durch welche bei praktischer Anwendung für Mälzereien, Brauereien, Treibhäuser, Gcflügel-zuchtbrütapparate, Krankenzimmer &c. die Controle der Heizungen sehr vereinfacht wird und die dess-halb wegen der hohen Wichtigkeit eine besondere Erwähnung verdienen und zwar:

a) die Wärme- und Feuermelder von Johann Gallinger in'Ostermünchen in Bayern beruhen auf der physikalischen Eigenschaft verschiedener Metalle, dass dieselben bei wech-selnden Temperatureinwirkungen ungleichmässige Ausdehnungen und Zusammenziehungenäussern. Ein Compensationsstreifen (ein mit einem Drahte, der bei zunehmender Wärmeeine auffallend bemerkbare Ausdehnung erleidet, spiralförmig umwickelter Blechstreifen)ist mit einem Ende derart festgeklemmt, dass sich das andere Ende frei bewegen kann.Der bei gewöhnlicher Temperatur gerade stehende Streifen wird sich in Folge der un-gleichen Metallausdehnung bei zunehmender Wärme nach vorwärts, dagegen bei abnehmenderWärme nach rückwärts krümmen. Die Bewegung des Compensationsstreifens kann mittelstpassend angebrachten Stellschrauben beliebig begrenzt resp. je nach dem Grade der an-zuzeigenden Temperatur regulirt werden.

Durch den eintretenden Contact des Compensationsstreifens mit einer Regulirschraubewird eine damit in bekannter Weise verbundene galvanische Batterie, welche ein gewöhn-liches Alarmklingelwerk in Thätigkeit setzt, geschlossen, und es wird so lange ein Klingelnwahrgenommen, bis durch eine Temperaturänderung der Compensationsstreifen sich vonselbst wieder von der Contactschraube trennt.

An einem zweiten ähnlich construirten Apparat wird der Batterieschluss mittelst einerangebrachten Hebelvorrichtung bewirkt, wodurch selbst noch beim Rückgang des Com-pensationsstreifens ein fortdauerndes Läuten bezweckt wird, welches nur durch eine vor-zunehmende Wiedereinstellung des Auslösehebels aufgehoben werden kann und hiedurchauch zur Controle der mit Heizen &c. betrauten Personen dient.

Das signalisirende Läutewerk kann vom controlirenden Raume oder Gefässe beliebigentfernt angebracht sein.

Diese Apparate werden vor Ablieferung von einem Beamten der Brandversicherungs-Kammer auf ihre Brauchbarkeit und Zuverlässigkeit geprüft.

Zu ähnlichen Zwecken dient ferner:

b) das Alarmthermometer von Franz Xaver Löhner in München . Bei diesem Thermo-meter bewirkt das durch den Einfluss der Wärme in der Glasröhre sich ausdehnendeQuecksilber den Schluss einer galvanischen Batterie, womit ein in Verbindung stehendesLäutewerk in Thätigkeit gesetzt wird. Die Contactvorrichtung ist einfach; in denoberen leeren Theil der Glasröhre ragen zwei von einander getrennte Platindrähte, welchemit der Batterie und dem Läutewerk verbunden sind, ferner ruht auf der Queck-silbersäule ein Glasröhrchen mit Kupferplättchen, welches bei Temperaturzunahmevon der aufsteigenden Quecksilbersäule bis an die Platindrähte gedrückt wird, wodurch