Band 
Fünfter Band.
Seite
79
JPEG-Download
 

Friedrich der Große.

79

Zeitig im Jahre 1757 begann die preußische Armee inSachsen ihre Bewegungen. Durch vier Pässe in den Gebirgenkam sie nach Böhmen geströmt. Prag war das erste Ziel desKönigs j aber das weitere Object war wahrscheinlich Wien. InPrag lag Marschall Brown mit Einem großen Heere. Daun,der vorsichtigste und glücklichste der österreichischen Befehlshaber,rückte mit einem andern heran. Friedrich beschloß, Brown zuüberwältigen, bevor Daun herankommen würde. Am 6. Maiwurde, unter jenen Mauern, die ei» 130 Jahre vorher die Zeu-ge» des Sieges der katholischen Liga und der Flucht des un-glücklichen Pfalzgrafen gewesen waren, eine blutigere Schlachtgeschlagen, als irgend eine, die Europa während der langenZeitfrist gesehen, welche zwischen Malplaquct und Eylau fällt.Der König und Prinz Ferdinand von Braunschwcig thaten sichan diesem Tage durch ihren Muth und ihre Anstrengungen her-vor. Der Hauptruhm war jedoch bei Schwerin. Als daspreußische Fußvolk wankte, entriß der herzhafte alte Marschalleinem Fähndrich das Banner und, es in der Luft schwingend,führte er sein Regiment zum Angriff zurück. So fiel er imAlter von 72 Jahren im dicksten Gefecht, noch immer die Fahnefesthaltend, die den schwarzen Adler auf dem silbernen Feldeträgt. Der Sieg blieb bei dem Könige; aber er war theuererkauft worden. Ganze Colonncn seiner tapfersten Krieger wa-ren gefallen. Er gab zu, daß er 18,000 Mann verloren habe.Auch dem Feinde waren 24,000 getödtet, verwundet, oder ge-fangen.

Ein Theil der geschlagenen Armee war in Prag einge-schlossen. Ein (andrer) Theil war geflohen, zu den Truppenzu stoßen, die, unter Daun's Befehle, jetzt dicht heran waren.Friedrich beschloß, dasselbe Spiel zu wiederholen, das zu Lowo-fltz gelungen war. Er ließ ein starkes Corps zurück, um Prag