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Mein Führer leitete mich sodann durch den Wald aufdie entgegengesetzte Seite zur Ermitage, — ein einfachesLandhaus und Garten, ganz versteckt, ohne Aussicht oderirgend etwas Anziehendes — Gretry ist Eigenthümer; aberR. Zimmer ist ganz verändert, frisch meublirt, nichts zuseinem Andenken als eine Büste von Bronze im Garten;die Nische ist voller Namen geschmiert! die ehemalige Ei-gcnthümerin N. — ihr Name steht in den Confessions—beklagt sich in 6 Versen, daß R. ,'bcr hier seine brcnnen-ven Schriften geschrieben, sich mit ihr abgeworfen unddiese Einsamkeit verlassen habe, daß sie ihn aber sehe, leseund ihm verzeihe! — Warum ließ der Verfasser des Amide la Maisou nicht das kleine Zimmerchen im alten Stan-de?!_darum lobe ich mir jenes freie Plätzchen, wo ich
meines Jugendfreundes Schatten mein Andenken mit Em-pfindung weihte. Hier meditirte er wahrscheinlich, was erin der Ermitage zu Papier brachte, auf diesem Steine,auf welchem ich nun saß! es ist ei» ganz eigenes Gefühl,das ich in Freney und Sanssouci in weit geringerem Gradehatte; — hier meditirte er seine Reloise, seinen Contratsocial — 1757, ging von da nach Montlouis, einem Gar-ten unten an der Stadt links, wo noch der steinerne Tischstehet, auf dem er frühstückte. Eine Kupferplatte erinnertan den komme elc la Nature et de la Verite. — Hierschrieb er seine Lettresä d’Alembert und begann feinen Emil,den er im Schlosse Montmorency vollendete — dies Ein-wohner erinnerten sich noch recht gut des lieben Sonder-lings : *) „Nous le regardions comme uu bon komme,loin de nous douter qu’il faisait des livres.“
Auch von der Kirche, die niedlich ist, hat man eineweite Aussicht. Am Fuße des Berges liegt eine sehr schöneCampagne; es war heiß, und ich war froh, in 8. Denis,wo ich um ll'/r Uhr wieder ankam, einen Cabriolcts-Platz
*) Wir sahen ihn für einen guten Mann an, vermutheten abernicht von Weitem, daß er ein Schriftsteller sey.