mir der im Wetter zum Grabe hinab steigende, sichverklärende Oedipus geworden.
Vor Jahren sprach ich einmal mit dir von einerAehnlichkeit des Eindrucks, den der Lear des Brit ti-schen, und der Oedipus des Griechischen Sehersjedesmal in mir zurückließen. Du verstandest michnicht gleich, und ich wollte mich auf keine Zergliede-rung bey einer Sache, die nicht dafür gemacht war,einlassen. Hierin hatte ich Recht, und will darum auchheute dies allein dir noch darüber zu Gemüth führen:daß Shakespear nur Einen Lear; Sophokles gbxrzwey Oedipus gedichtet hat: und daß die zwey Ge-dichte des Griechen zusammen gehören, wie Anfangund Ende; beyde sich gegenseitig bedürfen, wie die bey-den Schwingen des Adlers. So betrachtet, in dieserVereinigung zweyer Begebenheiten zu Einer großenOffenbarung, flößt mir das Werk des Griechen eineEhrfurcht ein, die mir die Kniee beugt. Dem Brit-ten waren die Gesichte, die er hatte, selbst zum Theilnoch dunkel; der Grieche hingegen offenbarte inGleichnissen, was er selbst ganz durchschaut hatte:
Zeus, Allherrscher des ewig,
Ewig dauernden Reichs!