Ein Mann von Geschmack ist der, welcher dasSchöne unmittelbar empfindet; das Gefühl desSchönen unmittelbar aus dem Schönen schöpft.Man kann, nach einem angenommenen Muster, wennman viel Scharfsinn und Verstand hat, bis auf ei-nen gewissen Grad sehr gut beurtheilen, und für An-dere ausmachen, ob ein bestimmtes Kunstwerk schönoder nicht schön zu nennen sey, das in wiefern, dasminder oder mehr u. s. w.z aber wer dieß kann, istdarum noch kein Mann von Geschmack, und irrtnicht selten gröblich. — Das Schöne hat mitallem Ursprünglichen das gemein, daßes ohne Merkmal erkannt wird. Es istund zeigt sich; es kann gewiesen, aber nicht be-wiesen werden.
Man erschöpft sich beim Erzeugen der Geisteskin-der; schwächt die Darstellung in sich selbst durch dieDarstellung für Andere, so daß man im eigentlichenVerstände die Wahrheit von sich giebt. Was mangemein macht, davon verliert man das Eigenthum.Begriffe sind mittelbare Vorstellungen — sie kön-nen die Sache, das Wahre in die Seele nur hinein