399
spruch erscheint Julian als einer der edelsten und größten Kaiser,n> Alle», was nicht auf Religion sich bezieht. Nur hier beginger den schweren Fehler — selbst politisch betrachtet war es einsolcher — von der bereits siegreichen Fahne des christlichen Glau-bens überzutreten zunr veralteten Heideuthum, und jenen mit Ei-fer und Erbitterung — zwar nicht blutig, aber doch hart — zubekämpfen. Doch liegt in der Jugendgeschichte und allen Ver-hältnissen Julians der Schlüssel zu jener sonst unbegreiflichen Ver-kehrtheit. Der Tyrann Constan titts, der Eiferer für's Chri-stentbnm, hatte Julians Vater, Bruder, Verwandte gewürgt, Ihnselbst zum Kerker verdammt, und war bestandst, das Schreckbildseiner jugendlichen Phantasie gewesen. Durch eine natürlicheVerknüpfung der Gefühle wurde leicht die Lehre selbst, so wiedas Haupt ihrer Bekenner, der Gegenstand von Julians Haß,und da er von dem Christenthum nicht die reine Gestalt, sondernmeist nur dessen Verderbniß sah; so gewöhnte er sich, jene Reli-gion als die Quelle alles Unheils und des moralischen, so wiedes politischen Verfalls zu betrachten. Dagegen waren die einzi-gen freunde feiner reifern Jugend, die geheimen Vertrauten seinerGefühle wie feiner Sorgen, und in deren Mittheilung er sich vondem drückenden Zwang seiner Erziehung erholte — heidnischePhilosophen und Priester gewesen. Diese — zumal in Athen, woJulian den Studien oblag — lind in Verbindung mit den tod-ten Lehrern, welche immerdar seine Freunde gewesen — fachtenden Funken zur Flamme an, und erhöhten das aufgeregte Gefühlbis zur Schwärmerei, durch jene wohlberechneten Ceremonien derMysteriösen Einweihung, deren begeisternde Macht selbst einMarc Aurel empfunden. Auf solche Weise wurde die Vorliebefür das Heidenthum die herrschende Leidenschaft feiner Seele, ge-wann durch den Zwang der Verstellung, welche die Umstände ge-boten, noch größere Stärke, und als sie endlich hervortrat, soerhöhten die unklugen Reizungen, der allzuhestige Widerstand derChristen, sie zur verzehrenden Flamme.
Abgesehen von dieser unglücklichen Verirrung, mag Julian alsMuster eines aufgeklärten und tugendhaften Fürsten und Men-fchen gelten. Allenthalben erkannte man in ihm den Zögling derWeisheit, welche allein der Trost seiner bedrängten Jugend ge-