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Laut den in Alt- und Neumexiko nnd noch weiter verbreite-ten Sagen, laut den in den Tempeln des erste» aufgefundenenhieroglyphi sehen Gemälden, welche für sich selbst eine derinteressantesten Proben der mexikanische» Kultur sind, endlich lautmanchen andern im Lande vorhandenen Monumenten, zumalTrümmern, sind in verschiedenen, zum Theil sehr entfernten Epo-chen nördliche und nordwestliche Stamme in das Land Anahuac,wie der uralte Name des Landes gelautet, eingezogen, und habenGesittung und Künste unter die Wilden gebracht. Zumal thatendieses im IZten Jahrhundert die Azteken, die eigentlichen Grün-der des Reiches, welches Montezuma beherrschte, und dessenHauptstadt, Mexiko, in der aztekischen Sprache die Wohnungdes Kriegögvttes, Mexitli oder HuitzlipvLhtli, bezeichnet.
Weniger durch friedliche Kunst als durch Kriegsmuth ausge-zeichnet, befestigten gleichwohl die Azteken oder eigentlichen Me-xikaner die Fortdauer der Kultur durch Gründung eines weitenReiches, welches, anfangs unter mehreren Häuptern, dann aber(seit 130 , oder nach einer andern Berechnung seit 197 Jahren vorder Eroberung des Reichs durch Cortez) unter e ln em Monarchenstand. Derselbe wurde durch Wahl ernannt, und von solchenWahlherrschern war Montezuma der neunte.
Die Form des Reiches war der eines europäischen Feudal-reiches in den Zeiten deS Mittelalters nicht unähnlich. DerMonarch, bei allem Glanz, der seinen Thron umgab, bei allenAeußerungen der tiefsten Unterwürfigkeit, womit die Größten sichihm nahten, war gleichwohl sehr eingeschränkt durch die Vor-rechte eines stolzen und mächtigen Adels, welcher seinerseits überdas gemeine Volk eine drückende Herrschaft übte. Dreißig Häup-ter vom ersten Rang, worunter zumal,die Fürsten von Tezeukound Tacuba, geboten jeder über eine Zahl von etwa 100,000Gemeinen; unter ihnen erhoben dreitausend Edle des zweitenRanges ihr immer noch stolzes Haupt. Ohne die Beistimmungder Häupter konnte nichts Wichtiges, weder im Krieg noch imFrieden, geschehen, und sechs Wahlfürsten vergaben — zwar meistan einen Sprößling des regierenden HauseS, doch immer nur anden, welcher ihnen der würdigste schien — den erledigten Thron.Alle Edlen jedoch folgten im Krieg der Standarte des Reichs,