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Dritter Band. Neuere Geschichte.
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wer als über ihre Befreiung. Doch auch di; Teutschen entspra-chen Adrians Wunsche nicht. Sein Sendschreiben an die auf deinReichstag zu Nürnberg versammelten Fürsten kränkte die Freundeder Reformation durch dessen Bitterkeit wider Luther; und diedemüthige Selbstanklage des Papstes ermunterte die Versamm-lung zur Abfassung der 100 (eigentlich nur 77) Beschwerden, undzur Forderung eines in einer teutschen Stadt zu haltenden all-gemeinen Conciliums.

Dieselbe Forderung wurde wiederholt auf mehreren folgendenReichstagen, und selbst Kaiser Karl ertheilte ihr von Spanienaus seine Billigung.

Ulrich Zwingli. Johann Calvin. Thomas Münzer.

Bis jetzt mochten wir mit heiterem Blick die Reformations-geschichte verfolgen. Meist nur Edles, nur Hoffnungsreiches botsich uns dar. Bald aber begann die Aussicht sich zu trüben. Zwie-spalt unter den Reformatoren selbst, fanatische Verkehrtheit beieinem Theil ihrer Anhänger, Vermischung weltlicher Interessenmit Gottes Sache und schnöder Habsucht mit heiligem Eifer,endlich der langwierige, blutige, daS National- und Christenbandzerreißende, die wildesten Leidenschaften aufregende Hader zwischender alten und neuen Kirche machten, je nach dem Standpunktdes Beobachters, fast zweifelhaft, ob die Reformation der Segenoder der Fluch ihres Jahrhunderts zu nennen sey.

Fast zu gleicher Zeit, wie Luther in Sachsen, begann Ul-rich Zwingli in der Schweiz das Werk der Reformation. AmIten Januar des Jahres 1519 trat dieser, schon durch frühere Be-strebungen für eine Kirchenreform rühmlichst ausgezeichnete, gleichedel denkende als verständige und gelehrte Mann sein neues Amtals Prediger ain großen Münster in Zürich, mit einer, dasreine Evangelium als alleinige Richtschnur deS Glaubens er-klärenden Predigt an, und erfreute sich des Beifalls einer aufge-klärten und freigesinnten Gemeinde. In vielen andern Predigtenso wie in Schriften, trug er, lichtvoll und eindringlich, fast die-selben Lehren wie Luther vor; ward aber bald in einem, durchden Religionseifer der streng römisch gesinnten, kleinen Kantone,