Aber die Protestanten, wiewohl jetzt der Kaiser, nach errun-genem zweimaligen Triumph über Frankreich, doppelt gewal-tig, und durch eigene Macht, wie durch den Eifer der katholischenStände furchtbar erschien, zagten nicht. Sie schloßen zu Schmal-kalden ein förmliches Bündniß ( 1531 ) zur Vertheidigung. DerKaiser, durch erneuerte politische Gefahr, zumal durch die türki-schen Waffen bedrängt, entsagte nun der Strenge, und gab denProtestanten zu Nürnberg ( 1532 ) einen zeitlichen Frieden. DieSchlüsse von Worms und Augsburg sollten ruhen bis zurEntscheidung eines allgemeinen Konciliums oder eines andernReichstages.
Aber die Entzweiung der Gemüther dauerte fort, und derFriede erlitt mannigfaltige Störung. Die protestantischen Ständesehten den Widerspruch gegen die von Karl veranlaßte römischeKönigswahl seines Bruders Ferdinand fort; und das Kam-mergericht erließ Pönalmandate wider die Protestanten, insbe-sondere wegen der katholischen Kirchengüter, deren diesel-ben sich häufig bemächtigten.
Dazu kamen verschiedene einzelne Unruhen in Süd- und Nord-teutschland. Dort hatte Herzog Ulrich von Würtemberg,welchen 15 Jahre früher wegen schwerer Gewaltthat der schwä-bische Bund aus seinem Lande vertrieben, mit Hilfe des Land-grafen von Hessen, nach Auflösung des schwäbischen'Bundes,dasselbe wieder erobert ( 1534 ). Der römische König Ferdinand,zu dessen Händen der Bund das Herzogthum übergeben, schloßjedoch Friede mit Ulrich zu Kadan, wornach dieser das Landbehielt, es aber als östreichisches Afterlehen erkannte. ImNorden brannte inzwischen der Krieg gegen die Wiedertäuferund ihren Schneiderkönig, Johann v. Leiden, in Münster,ein an Schrecknissen und Zügen fanatischer Verrücktheit reichesZwischenspiel in dem großen Drama. Aber der wichtigste Streitwar der, welchen Herrmann, Kurfürst von Kölln, durch sei-nen Uebergang zur protestantischen Kirche erregte. Sein Erzbis-tum gedachte er gleichwohl beizubehalten; der Papst dagegen ent-setzte ihn desselben, und that ihn in den Bann. Auch der Kaisererließ wider ihn drohende Mandate. Daher suchte Herrmann denSchutz des Schmalkaldischen Bundes. Von unermeßlicher Wich-