Würde. Die im Ganzen hochgünstige, wiewohl durch einigeNachtheilige Umstände verringerte (ja selbst vorübergehend un-günstige) mittelbare und unmittelbare Einwirkung der Refor-mation auf alles dieses wird für den denkenden Leser aus der eige-nen Erwägung des natürlichen, wechselseitigen Zusammenhangessolcher Verhältnisse und aus dem Totaleindruck der nachfolgendenGeschichte von selbst hervorgehen. Auch das durch den aufgereg-ten Eifer für Ideen entstandene oder verstärkte Freundschafts-band zwischen den Religiousverwandten verschiedener Völ-ker, welches manchen politischen Zwiespalt aufhob oder milderte,und eine treffliche Pflege des reinen kosmopolitischen Sinnes undder Humanität ward — ein Stellvertreter des erschlafften all-gemein christlichen Landes — bedarf für den Denker nur ei-ner flüchtigen Andeutung.
Schließlich stellen wir noch die Frage: ob denn wirklich dieReformation selbst, d. h. ihre Urheber und Freunde, zu verant-worten haben, was neben dem unermeßlichen Guten auch lieb-le s auf sie gefolgt ist? oder ob die, an sich nach dem Guten ab-zweckende, neue Lehre vielleicht nur durch den Widerstand, denman ihr entgegensetzte, verderblich ward? — Die Katholiken ha-ben durch die endlichen Friedensschlüsse mit den protestanti-schen Kirchen das von rein vernünftigem Standpunkt wohl über-flüssige — Anerkenntniß abgelegt, daß die Coexistenz diese»neuenKirche und der alten rechtlich möglich sey: sie haben dem-nach mit Unrecht die Bildung der neuen Kirchen gewaltthätiggehemmt, weil, was dem Rechte nicht widerstreitet, sein DaseynMit Recht behauptet. Ueberhaupt hat jede Lehre als solche denAnspruch auf Freiheit. Sie mag unbeschadet des Rechtes nurwiderlegt, nicht aber unterdrückt werden; und über eineLehre, zu welcher sich Millionen kultivirter Menschen beken-ne», kann nur Vermessenheit die Aechtung aussprechen. Aucheine „allein seligmachende" Kirche mag hier kein größeres Rechtals jede andere fordern, weil nur das Ungerechte mit Gewaltdarf gehindert werden, die eigene Seligkeit verscherzen aber keinAnrecht wider Andere ist. Es war demnach klare Rechtsver-letzung, welche die katholischen Machthaber begingen,, als sie mitGewalt der Reformation sich entgegensetzten; und eS ist atzen«Rotteck, A. Wells- Ul, 6