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Dritter Band. Neuere Geschichte.
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le» und der Leidenschaftlichkeit ihrer Verfechter wurden die bänd-ige stürmisch. Ueber dem Reich lagerten Anarchie, Parteien-kainpf, Waffengetös. Hieraus entnahm die Kaiserin den Vor-hand, Truppen nach Warschau zu senden, als Nachbarin, alsFreundin die Beruhigung Polens wünschend.

Von dieser Einmischung Rußlands in daS Wahlgeschäft hebtfie Leidensgeschichte Polens an, und eröffnet sich das traurigsteSchauspiel i» der neuen Geschichte, die größte, kühnste, entsetz-lichste, von jeder möglichen Beschönigung durchaus entblöste Ver-ätzung des Völker- und heiligsten Menschenrechts, und zehnfach»iederschlagend durch den Mißbrauch rechtlicher Formen und fried-liebender Worte. Der Fall Polens verkündete mit Donnerstimmeder civilisirten Welt den völligen Umsturz deS Gleichge-wichts, die siegende Herrschaft der Gewalt, und sonachden Fall alles öffentlichen Rechts. Nach Joh. v. Mül-ler'S schwerem Wort „wollte Gott damals die Moralitätder Großen zeigen."

Den ersten Gewaltmißbrauch erlaubte sich Rußland beimWahlgeschäft. Die Stimmen der vaterländisch Gesinnten, wiejene der Gegner Rußlands, wurden gewaltsam unterdrückt. Hier-auf begaben sich viele Große des Reichs vom Reichstag weg,setzten sich zum Theil auf ihren Burgen fest, und bereiteten Krieg,Während eine Zahl Senatoren und Landboten den fruchtlosenKampf gegen die russische Partei in Marsch an selbst fortsetzten.Es ward daselbst StaniSlaus August Poniatowsky zumKönig erwählt (1764, 7. Sep.); worauf daS Uebergewicht seinerPartei die Ruhe auf kurze Zeit wieder herstellte.

Bald aber kehrte die Entzweiung und furchtbarer wieder.Kirchlicher Hader gab den Anlaß zum bürgerlichen Krieg. DieDissidenten, also nannte man die von der katholischen Lehreabweichenden, theils protestantischen, theils griechischenPolen, hatten schon seit K. Sigmundsll. Tod ihre vormaligenRechte verloren, ja es war ihnen auf den Reichstagen von 1717Und 1735 selbst die Religionsfreiheit genommen worden.Rußland, Dänemark, Großbritannien und Preußenforderten auf dem Reichstag von 1766 die Wiedereinsetzung derDissidenten in dieselben bürgerlichen und kirchlichen Rechte, deren