44 IV. Abschnitt. Begriff und Arten des Geldes. II. Begriff und Wesen.
C. „Dass die Metalle viel später zu Geldzwecken benutzt waren, alsdie vorhin erwähnten Güter, und die edlen Metalle wiederum viel später alsdie unedlen, kann man durchaus nicht überall nachweisen. Vielmehr istnamentlich das Gold in manchen Ländern so kunstlos zu gewinnen, und Goldund Silber befriedigen ein so frühes, allgemeines und lebhaftes Bedürfniss, dasswir sie bereits in sehr frühen Zeiten als Tauschwerkzeug antreffen.“ (Roscher.)
II. Begriff und Wesen des Geldes
nach Prof. E. Nasse und Prof. Dr. W. Lexis.
„Geld im weitereren rein wirthschaftlichen Sinne ist ein allgemein be-liebtes Tauschgut, welches die Functionen sowohl eines Werthmaassstabes,wie die eines Tausch-, Zahlungs- und Werthaufbewahrungsmittels versieht.Unsere gesellschaftliche Wirthschaft beruht auf zahlreichen, beständig sich er-neuernden Vergleichungen von Tauschwerthen. Das Verhältniss aber ver-schiedener Grössen zu einander veranschaulicht man sich am leichtesten, wennman sie mit einer dritten, bekannten Grösse vergleicht. Deshalb musstesich überall beim Beginn der auf Tausch und Kauf sich gründenden gesell-schaftlichen Wirthschaft das Bedürfniss nach einem Gute heraussteilen, dessenWerth Verhältnisse Allen bekannt und das deshalb geeignet wäre, bei Ver-gleichungen von Tauschwerthen als Maassstab zu dienen. Nicht minder aberbedarf man zu einer auf Tausch von Gütern beruhenden Wirthschaft einesMittels zur Uebertragung der allgemeinen Befähigung, die verschiedenstenGüter zu erwerben (der allgemeinen Vermögensmacht) von Person zu Person,von Ort zu Ort, aus einer Zeit in die andere. Denn die Bedürfnisse derverschiedenen Wirthschaften entsprechen sich nicht in der Weise, dass jedefür die hinzugebenden Güter unmittelbar diejenigen Güter erlangen kann,welche die eigenen Bedürfnisse erfüllen und nach denen der Wirthschaftendetrachtet. Sie differiren vielmehr nach Qualität und Quantität, Zeit und Art.Diejenigen, welche Güter zu Markte bringen, finden Abnehmer für dieselben,die aber ihrerseits nicht diejenigen Güter als Gegenwerth geben können, nachdenen der Verkäufer trachtet, sondern andere, deren er nicht bedarf. Wennaber auch die Bedürfnisse, der Art nach, sich beim Handel begegnen, sodoch nicht immer der Grösse des Bedarfes nach. Der Werth der Gütermengen,welche jeder der beiden Tauschenden zu Markte bringt und erwerben will,ist ungleich. Oder es will und muss der eine Theil seine Producte sofortzu Markte bringen und verwerthen, weil sie nicht haltbar sind, oder weil ausirgend einem anderen Grunde ihre sofortige Verwerthung vortheilhaft erscheint,aber er wünscht erst in der Zukunft den Gegenwerth zur Befriedigung seinerBedürfnisse zu erhalten. Der Tauschakt muss in zwei der Zeit nach ver-schiedene Akte zerlegt werden. Oder endlich der Tauschende findet auf