EINLEITUNG.
Das vorliegende Buch sucht die Grenzgebiete von Wissenschaftenzu vereinigen, welche, obgleich durch viele natürliche Beziehun-gen auf einander hingewiesen, bisher doch ziemlich getrenntneben einander gestanden haben, die Grenzgebiete nämlich einer-seits der physikalischen und physiologischen Akustik,andererseits der Musikwissenschaft und Aesthetik. Dasselbewendet sich also an einen Kreis von Lesern, welche einen sehr ver-schiedenartigen Bildungsgang durchgemacht haben und sehr ab-weichende Interessen verfolgen; es wird deshalb nicht unnötliigsein, wenn der Verfasser gleich von vorn herein sich darüberausspricht, in welchem Sinne er diese Arbeit unternommen, undwelches Ziel er dadurch zu erreichen gesucht hat. Der naturwis-senschaftliche, der philosophische, der künstlerische Gesichtskreissind in neuerer Zeit mehr, als billig ist, auseinandergerückt wor-den, und es besteht deshalb in jedem dieser Kreise für dieSprache, die Methoden und die Zwecke des andern eine gewisseSchwierigkeit des Verständnisses, welche auch bei der hier zu ver-folgenden Aufgabe hauptsächlich verhindert haben mag, dass sienicht schon längst eingehender bearbeitet und ihrer Lösung ent-gegengeführt worden ist.
Zwar bedient sich die Akustik überall der aus der Harmonie-lehre entnommenen Begriffe und Namen, sie spricht von der Ton-leiter, den Intervallen, Consonanzen u. s. w., zwar beginnen dieLehrbücher über Generalbass gewöhnlich mit einem physikalischenCapitel, welches von den Schwingungszahlen der Töne redet, unddie Verhältnisse derselben für die verschiedenen Intervalle fest-seizt, aber bisher ist diese Verbindung der Akustik mit der
Hclmholtz, pliys. Theorie der Musik, *