Hydrogen oxyd.
209
könnte; da aber vor der Hand die Erfüllung dieses Wunsches noch fernliegt, so sind auch viele rein teulsehe Namen beibehalten worden.
Was die systematische Nomenclatur betrifft, deren man sich be-kanntlich in der Zoologie und Botanik bedient, so hat Mohs eine solchezuerst in der Mineralogie mitConsequenz durchzuführen versucht Bredsdorf(De notione speciei in regno minerali , Hafniae 1827) Breilhaupt und Danahaben ihre systematische iNomenclatur lateinisch gebildet, was in thesi sehrzweckmässig, aber in praxi schwer durchzuführen ist. Denn, so langeüber die 1* r i n c i p i e n der Systeinbildung keine Einigung Stattfindet, so lange wird man sich noch viel weniger über eine derartige No-inenclatur vereinigen. Sehr gute Demerkungen über die mineralogische No-menclatur überhaupt giebt Haidinger in seinem llandbuche der bestimmen-den Mineralogie, S. 461 1F.
I. Classe. Hydrogenoxyd.
Diese Classe enthält nur zwei Species, Wasser und Eis, welcheaber eine ausserordentlich wichtige Rolle auf unserem Planeten spielen.
1. Wasser.
Flüssig, daher gestaltlos.
G. 1, Meerwasser bis 1,027; farblos; pcllucid im höchsten Grade; Re-fraction einfach; im reinen Zustande geschmacklos und geruchlos; bei 0°C.erstarrend und in Eis übergehend; bei 100° C. und 28" Barometerstandsiedend und verdampfend.
Cheni. Zus. 110 oder H, also Ilydrogenoxyd, oder in 100 Theilen88,9 Oxygen und 11,1 Hydrogen
wird durch Eleklricität in Sauerstolfgas und Wasserslolfgas zerlegt; absorbirtgern Gasarten und hält daher meist atmosphärische Luft u. etwas Kohlensäure,ist oft durch aufgeloste Substanzen bedeutend verunreinigt. (Mineralwasser,Soolen, Meerwasser). Vorkommen bekannt; theils als Almosphärwasser,theils Quellen, Räche, Flüsse, Seen und den ücean bildend.
Anm. Die Betrachtung der mancherlei Mineralwasser gehört wohl eher indie Geognosie, als in die Mineralogie. Dass aber Wasser und Eis der Phy-siographie als zwei verschiedene Species gelten müssen, ist ein-leuchtend; der Unterschied zwischen beiden ist jedenfalls grösser, als z. B.der zwischen Kalkspath und Arragonit, und die Identität der Substanzkann keinen Einwurf begründen. Für die Chemie, welche als solche esnur mit der Substanz zu thun hat, mag es keinen specifischen Unterschiedzwischen Wasser und Eis geben; für die Physiographie wird er immer be-stehen, wie denn für sie überhaupt eine und dieselbe Substanz, je nach-
Naumann’s Mineralogie, 1 /