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Landwirthschaftliche und technische Naturgeschichte oder die Naturgeschichte in Anwendung auf Gewerbe, Land- und Forstwirthschaft : ein Handbuch für Landwirthschafts- und Gewerbeschulen, sowie für Forstwirthe, Fabrikanten und Kaufleute ec / von S. Bauer
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187
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Seit einiger Zeit wird ein bedeutender Theil des käuflichenBoraxes von französischen Fabrikanten künstlich hergestellt. Es be-finden sich nemlich im Toskanischen, namentlich in Cherchiago,Monti Creboli und Castel Nuovo warme, freie Borarsäuere ent-haltende Quellen, auch die Erde in den Umgebungen der Quellenist damit durchdrungen. Beide werden abgeschöpft, die Erde aus-gelaugt, um die Borarsäuere auszuziehen, der Auszug abgedampftund krystallisirt. Als solche wird nun die Borarsäuere nach Frank-reich in die dortigen Raffinerien gebracht. Payen und Cartineerrichteten die erste Fabrik der Art.

Der aus den Bestandtheilen künstlich dargestellte Borax hat,vbschon er reiner ist, als der gereinigte indische, die unangenehmeEigenschaft, leicht zu zerbröckeln, was bei der technischen Anwen-dung hinderlich ist. Es scheint fast davon herzurühren, daß derindische noch etwas Fett in sich hat. Läßt man aber den Boraxaus einer konzentrirten Auflösung zwischen 79 und 56° anschießen,so bilden sich harte, dichte Oktaeder, welche fester sind, wenigerleicht zerbröckeln, nicht verwittern, und weniger Wasser enthalten,(nur 30,8 Prozent).

Bisweilen wird der Borar verfälscht, vorzüglich mit Alaun,Zucker und Salpeter. Der Alaun giebt sich durch seinen Geschmackzu erkennen und dadurch, daß er bei einem Zusatz eines AlkaliErde fallen läßt; der Salpeter, daß er im Feuer verpufft; derZucker durch den Geschmack.

Die Eigenschaften eines guten gereinigten Borares sind:SeineKrystalle müßen rein und nur auf der Oberfläche etwas verwittertseyn, der holländische kömmt gewöhnlich in Gestalt krystalinischerBrode im Handel. Im Wasser muß er sich ohne erdigen Rück-stand auflösen und eine helle Auflösung geben; er muß in mäßigerHitze leicht fließen und eine schwammige poröse Masse bilden; ermuß endlich einen laugenhaften Geschmack haben, und Veilchenhaftgrün färben.

Beim Schmelzen der Metalle ist der Borax ein sehr vortreff-licher Zusatz. Er schmilzt im Feuer zu einem Glase, und ver-glaset zugleich die mit ihm in Berührung kommenden Erden undMetallkalke, macht die Schlacken flüßiger und befördert dadurch,daß sich die Metalle gehörig aus denselben abscheiden und zu ei-nem Klumpen zusammenschmelzen können; außerdem befördert erdas Schmelzen der Metalle selbst.