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Berns Geschichte 1191-1891 : Festschrift zur 700-jährigen Gründungsfeier / Wolfg[ang] Friedrich von Mülinen
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Ein zürcherischer Pfarrer Kesselring hatte einem Bauern von jArth, den er von der Zürcher Messe begleitete, eine Bibel gegeben, !die nun in Arth fleißig gelesen wurde. Die Geistlichkeit aber ischritt, sobald sie es vernahm, dagegen ein, und die Regierung >von Schwyz verurtheilte viele der Ketzer zum Tode und zog all' j

ihr Vermögen ein. Wer von ihnen fliehen konnte, floh. Zürich !

nahm zwanzig der Armen auf und verlangte die Herausgabeihres Vermögens (September 1655). Schwyz verweigerte sie. Diebeiden Orte erhitzten sich dabei so, daß sie sich nach Bundes-genossen umsahen. Die Katholiken fanden Freunde an Spanien,Savoyen und am Papste, die Evangelischen an England undHolland. Der französische Gesandte wollte vermitteln, es gelangihm nicht. An der Starrköpfigkeit der Schwyzer und Zürcherscheiterten auch die Bemühungen der Tagsatzung, die im Novemberzu Baden stattfand. So rüsteten beide.

Wie schon in den Kappelerkriegen, war die Kriegführungder Evangelischen eine unglückliche. Die Zürcher und Berneroperirten getrennt. Die Zürcher führte Johann Rudolf Werd-müller zur Belagerung von Rapperswyl. In Bern ließ manden Landsturm ergehen, die Grenzen gegen Unterwalden, Luzernund Solothurn besetzen, dann rückte der General Sigmund vonErlach im Januar 1656 mit dem Hauptheer, etwa 8000 Mann,in den Aargau. In Lenzburg nahm er Quartier. Die TruppenWurden gegen Vilmergen vorgeschoben. Aber es herrschte unterihnen die größte Sorglosigkeit, ja Unordnung; die Mannschaftenzerstreuten sich, die meisten Offiziere blieben in Lenzburg.

Leicht gelang es den Feinden, die Lage der Berner auszu-kundschaften. Unbemerkt konnten ihrer 4000 nahen, Luzernerund Freiämtler. Die Berner wurden zwar durch plötzliche Schüssealarmirt, wollten aber nicht an die Nähe eines starken Feindesglauben. Ungehindert bezog dieser eine gute Stellung und er-neuerte das Feuer. In diesem Augenblick erhielt sein Führer,Christoph Pfyffer, ein Schreiben seiner Regierung. Er ahnte, was