Band 
Erster Band.
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Richclieu'S Pläne.

Wir sehen hieraus deutlich die Ursachen des dreißigjährigenKrieges, welche schon das Kabinet von Heinrich IV. beschäftigten,der aber als Mittel dagegen glaubte, dem ganzen Welttheileine neue Organisation geben zu sollen, während Richelieu, prak-tischer, auf eine Zerstückelung der Kräfte des österreichischenHauses drang, den Umständen es anheimstellend, auf welcheArt dieses geschehen könne. Ein zweiter Plan, den Richelieusich auch zu vollziehen vornahm, war, durch die größte Härtealle Großen des Reiches zum Gehorsam gegen die Krone zuzwingen, und da die mächtigsten Gegner der Krone die Häupterder Hugenotten waren, die unter dem Vorwand der Religionimmer wußten, diese aufzuhetzen, damit sie ihnen bchülflich seien,ihre Privatabsichten zu erreichen, so kam es allmälig dahin, daßRichelieu gegen die Hugenotten als solche auftrat.

Die Darstellung des politischen Systems des KardinalsRichelieu war nothwendig, weil selbst die ganze RegierungLudwig's XIV. nur eine Fortsetzung dieser Grundsätze war,deren Erfolg aber eine Zeit lang ihn auf die nämliche schädlicheBahn führte, welche das Haus Österreich zu seinem eigenenNachtheil verfolgte, und auf welcher Frankreich dann in Gefahrgerieth, in gänzliche Erniedrigung zu fallen; denn bei Nationenwie bei Individuen ist der Verfall die Folge des ÜbcrmutheS.

In der Schweiz erkannte keine einzige Regierung den Zu-sammenhang der politischen Erscheinungen, z. B. in dem Bauern-krieg, daß Frankreich, bei andern Gelegenheiten, daß Spanienoder Österreich ihre Hand im Spiel haben. Jede betrachtete alledie vielfältigen Äußerungen des Volkes, die Stimmungen derRegierungen, die gegenseitigen Anfeindungen der Religions-parteien als rein schweizerische Erscheinungen. Es erklärt sich dießganz natürlich daraus, daß in den meisten Kantonen die Re-genten oft erneuert wurden, daher ihre Ansichten aus denen desVolkes hervorgicngen, ohne daß sie sich deren selbst bewußt