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Sechster Band.
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22
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Frende,Liebe,Hofnung

22 Kap. 3. Von den Gemuͤthsbewegungen.Das 8. Kapitel.

Von den Gemuͤthsbewegungen.

us der verſchiedenen Miſchung des Blutes entſtehen die vier Temperamente, dasSanguiniſche, das Choleriſche, das Melancholiſche und Phlegmatiſche. Ein je-der Menſch beſitzet eines davon vorzuͤglich, doch niemals allein, ſondern mehrentheils

iſt eines oder ein paar von den andern mit dem Haupttemperamente vermiſcht. Die

Unterſuchung derſelben, die Beſtimmung der Charaktere eines jeden, gehoͤrt eigentlichin die Moral, und iſt hier zu weitlaͤuftig. Gleichwol iſt es einem jungen Kuͤnſtler ſehrnützlich, wenn er ſich um die innerliche Kenntniß des Menſchen in Anſehung der Tempe-ramente bekuͤmmert. Aus den Graden ihrer Miſchung entſtehen die Gemuͤthsneigungen,welche einen ſo groſſen Einfluß auf alle menſchliche Handlungen haben. Vermoͤge der-ſelben hat ein Menſch mehr oder weniger Hang zur Wolluſt, zum Geiz, oder Ehrgeize.Aus ihnen laſſen ſich die unzaͤhlichen Abwechſelungen, die man in den Charaktern derMenſchen antrift herleiten. Der eine hat mehrern Hang zur Sanftmuth, und der an-dre zum Zorn; der eine iſt zaͤrtlich und verliebt, da ſich indeſſen ein andrer hart undgrauſam beweiſet. Da nun dieſe Gemuͤthsbewegungen einen ſtarken Einfluß auf denGang, auf die Stellung, auf die Augen, auf die Mienen und Farbe des Geſichts ha-ben, ſo iſt wohl kein Zweifel, daß einem Kuͤnſtler, der ſeine Kunſt nicht blos hand-

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werksmaͤſſig treiben will, eine Kenntniß von dieſen Sachen ſehr nöͤthig ſey.

Zu den angenehmen und Hauptgemuͤthsbewegungen gehoͤren, die Freude, dieHofnung, die Liebe. Die natuͤrliche Waͤrme, und die Lebensgeiſter, werden entwederlangſam nach und nach oder geſchwind und auf einmal durch den ganzen Koͤrper ausge-breitet: das Herz erweitert ſich, und der Wunſch zu dem Beſitz des geliebten Gegen-ſtandes zu gelangen, erfuͤllet die Gedanken. Das Blut wird erhitzt; eine heitere Mienezeigt ſich im Geſichte, und eine lebhafte Roͤthe erhoͤhet die Farbe deſſelben. Das Herzoder das Blut ſtehet mit den Sinnen gleichſam in einer gewiſſen Verbindung. Sobald ſie etwas empfinden, hat es einen Einfluß auf das Blut, und dieſes hat bey denangenehmen Neigungen eine Wuͤrkung auf das Geſicht. Die ganze Miene wird heiter,das Auge lebhaft und zaͤrtlich, und die Farbe von einer angenehmen Roͤthe. Der Ein-druck der Sinne auf das Herz iſt bey heftigen Gemuͤthsbewegungen ſehr geſchwind,und die Wirkungen auſſern ſich ſo ſchnell, daß man ſich billig daruͤber verwundern muß.

Auf dieſe Weiſe werden die Zuͤge des Geſichts veraͤndert; Es geſchieht durch dieGemüͤthsbewegungen, welche durch auſſerliche Umſtaͤnde verurſacht worden. Wennder Verſtand durch die Sinne und Einbildungskraft einen Eindruck erhaͤlt, ſo beur-theilt er, ob es gut oder böͤſe ſey: Aus dieſem entſcheidenden Urtheil entſtehen die Wuͤr-kungen der Freude oder des Verdruſſes. Denn ohne Urſache ſind keine Wirkungen:Kein vernünftiger Menſch wird z. E. lachen, wenn ihm nicht etwas vorhergegangenesUrſache dazu gegeben.

Durch die Freude werden, wie obengedacht, die Lebensgeiſter ermuntert, und dasBlut in Bewegung und mehrere Hitze gebracht. Das meiſte ſteiget ins Angeſicht, da-her ſieht man daſelbſt die Merkmale am deutlichſten. Alle Theile deſſelben empfindenes, und dehnen ſich mehr aus. Die Stirne wird heiter und glatt; die Augen funkelnund werden hell; die Backen erroͤthen, als wenn ſie gefarbt waͤren; die Lefzen ziehenſich ein und werden glatt. Bey einigen bekommen die Wangen Gruͤbgen, welches vonder Zuſammenziehung des Fleiſches und der Muskeln herruͤhret. Auf alles dieſes hatder Kuͤnſtler wohl Acht zu geben.

Unter