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34 Rap. 10. Von der Farbengebung oder dem Rolorit.
ſtreichen, ſondern es wird groſſe Behutſamkeit dazu erfordert, damit Licht und Schat-ten, und die gehörige Erhebung ausgedruckt werde. Die Farben muͤſſen gut gemiſcht,und beym Auftragen in einander vertrieben werden; ſonſt ſcheint alles ſteif und hart,und was ſich ſanft verlieren ſollte, bekommt ſcharfe Ecken. Wenn die Farben desganzen Gemaͤldes eine gute Uebereinſtimmung unter einander haben, nicht zu bunt undverwirrt durch einander gearbeitet ſind, und dem Auge jeden Gegenſtand natuͤrlichvorſtellen; ſo ſagt man: das Bild, oder das Kolorit deſſelben habe einen guten Ton.Dazu wird unter andern erfordert: daß die Hauptpartien am beſten und mit den reich-ſten Farben ausgemalt ſind; daß die vornehmſten Perſonen die lebhafteſten Gewaͤnderbekommen, und die andern mehr entfernten blaſſer und ſchwaͤcher gehalten werden.Man gibt den Nebenperſonen ein dunkles Kolorit, das hebt die Hauptperſon deſto beſ—ſer. Hierbey kommt viel auf den Hintergrund an; macht man ihn bey den Perſonendie dunkel gemalt ſind etwas licht, ſo hebt es ſolche ungemein: und ſo umgekehrt, muͤſſendie hellgemalten Figuren auf einen ſtarken Grund geſtellt werden. Dieſer Kontraſtthut eine vortrefliche Wirkung wenn er mit Klugheit angebracht wird; er wird aberdas Gemaͤlde verderben, wenn die Farben zu ſcharf gegeneinander abſtechen. Hat derKuͤnſtler erſt die Hauptperſonen in gutem Lichte, und mit einem vortheilhaften Koloritdargeſtellt, ſo findet ſich das Kolorit der Nebenperſonen deſto beſſer.
Das Gewand muß mit ſeinen reizenden Farben nicht den Koͤrper des Bildes ſelbſtverdunkeln, und verurſachen, daß man auf den Ausdruck deſſelben nicht Acht gibt.Da es in vielen Faͤllen ſich gut ausnimmt, wenn das Gemaͤlde am Rande dunkel iſt,ſo kann man die Nebenfiguren mit dunklen Gewaͤndern ſo anordnen, daß ſie dahinkommen.
Bey der Bekleidung einer Figur hat man darauf Acht zu geben, daß man dieFarbe der Haut und des Fleiſches von dem Gewand unterſcheide. Die Kleidung ſollvon angenehmen Farben ſeyn; man huͤte ſich aber vor allen Dingen, daß die groſſenFalten derſelben nicht quer uͤber den Leib oder die Arme gehen, weil es einen groſſenUebelſtand verurſacht. Sie ſollen natuͤrlich und mit einem ſanften Falle geleitet wer-den, damit man die Glieder aus dem Wurf der Falten erkennen moͤge. Die Gewaͤn-der ſo blau, gelblich, roͤthlich, violett, von Purpur mit dunklem oder gruͤnlichemGrunde ſind, ſtehen bey nackenden Leibern ſehr gut, nur muß man ſich dabey merken, daßman ſie etwas dunkler als die Farbe des Leibes halte, und den Bildern ſo am näͤchſtenzu Geſichte kommen, Gewaͤnder von durchſichtigern und klarern Farben gebe, als denandern. 5
Der Maler ſollte billig das Kolorit ſeines ganzen Gemaͤldes im Kopfe haben, undſich die Austheilung der Farben in Gedanken vorſtellen, damit er ſie gehoͤrig mit ein-ander verbinde, und nicht hohe und dunkle, ſchwache und ſtarke Farben gleich neben ein-ander ſetze; dadurch wuͤrde er eine unausſtehliche das Auge beleidigende Haͤrtigkeit zuWege bringen. Ein anders iſt, wenn der Schatten, den eine Perſon auf die anderewirft, dunkle Farben erfordert; denn ein ſolcher Kontraſt macht vielmehr eine ange-nehme Abwechſelung, und hebt die andern Farben. Es muß aber in die Augen fallen,von welcher Perſon der Schatten herruͤhrt, deswegen verbindet man den Schatten mitder Perſon, weil er ſonſt dem Bilde ein zu buntſcheckigtes Anſehen geben wuͤrde. Sowie ein falſcher Ton die ganze Harmonie eines Concerts verdirbt, ſo kann auch eineharte Farbe dem ganzen Gemaͤlde zum Fehler gereichen. Ein gar zu hohes Weiß undFeuerroth beleidigt das Geſicht, und ein gar zu blaſſes oder ſchwarz dunkles Kolorit
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