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Sechster Band.
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36 Kap. 11. Von der Austheilung und Vereinigung der Farben.

ſchiedner Farbe, indem einige friſch andre matt ſehen. Bey der gruͤnen Farbe ſtehtroth, blau, Purpur und Milchfarbe gut.

Bey Gewaͤndern ſchicket ſich blau ſehr wohl zu gelb, nicht weniger roht, gruͤnund Purpur. Gruͤn und weiß heben einander ungemein: wiewohl weiß zu allen Far-ben gut ſteht. Zum Fleiſche in einem Gemaͤlde iſt Zinober viel zu hart: hingegen ſchicktſich gruͤn, blau und Purpur gut dazu. Roth und roht, gelb und gelb, kann man ineinander vertreiben, wenn ſich die ſtarken Nuͤanzen in ſchwaͤchere verlieren ſollen: Manbricht ſie aber auch durch rothgelb, und gruͤngelb, oder blaulich und roͤthlich Purpur,welches eine ſanfte Miſchung giebt.

Das Grau iſt, nachdem es mit andern Farben vermiſcht wird, ſehr verſchieden,roͤthlich, blaulich, licht und dunkel. Verſchiedne Italiaͤner, ſonderlich Raphael vonReggio, haben ſich bey ihren hiſtoriſchen Gemaͤlden vieler Miſchungen von Lichtgraubedienet. Sie ſind aber nicht nachzuahmen, weil der Ton des Gemaͤldes dadurch zuſchwach wird. Andre haben es dadurch verſehen, daß ſie zum Grunde gar zu harteFarben genommen: denn auf dieſe Art ſchneiden ſich die Figuren, oder Gebäude, wel—che auf dem Vorgrunde ſtehen, ſcharf ab, und das Gemälde verliert die Haltung.Die Uebung muß den Kuͤnſtler am beſten fuͤhren: bloſſe Regeln werden ihn nie dahinbringen, daß er die Farben richtig miſche, und in einander vertreibe.

Wenn ein hohes roth, oder weiß, ſchwarz und gelb dicht bey einander ſtehen, ſindſie gleichfalls zu hart. Man pflegt daher nicht gern Zinnober und Mennig viel zu ge-brauchen: erſtere Farbe iſt zu hart, und die andere ſinkt, wenn ſie verarbeitet wird,ſehr weg. So muß man auch mit Schitt und Bleygelb vorſichtig umgehen. Hinge-gen Gruͤnſpan und gelbes Opperment als giftige Farben gaͤnzlich vermeiden.

Im uͤbrigen iſt Sandrart der feſten Meinung, ohngeachtet ſehr viele derſelbenwiderſprechen, daß alle ſtarke, hohe, harte und helle Farben zu vermeiden, weil ſiedem guten Ton, und der Haltung des Gemaͤldes zuwider ſind, wenn ihre Haͤrte nichtgebrochen, und durch Mittelfarben unter einander gemaͤſſigt wird. Die Farben in ih-rer ganzen Staͤrcke zu gebrauchen, und neben einander zu ſetzen, kann man den Karten-malern uͤberlaſſen, und den Anſtreichern, die gar nicht wiſſen was gute Tinten ſind,oder wie man die Farben geſchickt in einander vermalen, und ſeinen Arbeiten den Cha-rakter der Wahrheit geben muͤſſe. Das wußten unſre alten teutſchen Kuͤnſtler, einHolbein, Amberger, Lucas von Leyden, ſie zeigten den Weg, wie der Natur in Mi-ſchung der Farben nachzuahmen ſey: in den folgenden Zeiten ſtieg die Kunſt in Anſe-hung dieſes Theils der Malerey, und die Niederlaͤndiſche Schule hat es bis zum hoͤch—ſten Grad der Vollkommenheit darinn gebracht. Man darf nur den unnachahmlichenRembrant anſehen, der eine ſo kraͤftige und meiſterhafte Art des Kolorits ſich eigen-thuͤmlich gemacht hatte, daß ihn alle Kuͤnſtler einſtimmig bewundern und geſtehen, daßer ſchwer zu erreichen ſey. Groß war auch in ſeiner Art Peter von Laar, den manwegen ſeiner ſonderbar gewaͤhlten Gegenſtaͤnde Bambotz genennet; ohne der andernMeiſter dieſer Schule zu gedenken, die vortrefliche Koloriſten waren.

Das 12. Kapitel.Vom Urſprunge und der Natur der Farben.

enn Sandrart in der erſten Ausgabe der Akademie behauptet, daß die Farbennicht von dem Lichte entſtehen koͤnnen, weil ſonſt alles weiß ſcheinen muͤſte, und8 das