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Kap. 14. Von der Malerey mit Waſſer und Gelfarben, c. 39
Smalt, braunen Ocker Umbra, ſchwarzen Kuͤhnruß, und dergleichen ſtarke Farben,die der Kalk nicht verzehrt. Wollte man hingegen Lack, Schittgelb und andre Saft-farben nehmen, ſo wuͤrden ſolche gleich vergehen: Zinnober, Mennig, und Bleygelb,aber ſchwarz werden. Alle Leimfarbe, Eyergelb, und Gummi Dragant ſind gaͤnz-lich zu verwerfen, weil die Farben davon abſtehen, gelb und heßlich werden.
Auſſer einer geſchwinden Hand, gehoͤrt eine gute Kenntniß von den Wirkungender Farben zum malen auf naſſem Kalk, weil die Farben, wenn ſie naß ſind anders aus-ſehen, als wenn ſie trocken geworden. Die Hand muß ferner ſehr geuͤbt und feſt im
Zeichnen ſeyn; was einmal gemacht iſt, laßt ſich nicht wieder wegnehmen, umarbei-ten, oder verbeſſern.
Wenn der Kuͤnſtler die zu verfertigende Geſchichte wohl uͤberdacht, und eine Zeich-nung davon entworfen hat, ſo iſt es ſehr nuͤtzlich, dieſelbe in der Groͤſſe von ein paarSpannen im Thon oder Wachs zu Puſſiren: alsdenn ſetze er es in gehöriger Entfer-nung, wie es die Hoͤhe, und das Licht erfordern: dadurch wird er von der zu malen-den Geſchichte, die Verhaͤltniſſe der Figuren, Licht und Schatten ſich deſto beſſer vor-ſtellen koͤnnen. Zuletzt nimmt er zuſammengeklebtes Papier, in der Groͤſſe wie dieMalerey werden ſoll, zeichnet darauf die ganze Geſchichte; das nennt man einenKarton. Von dieſem Karton nun ſchneidet er ein Stuͤck in der Groͤſſe ab, wie er ſolchesdenſelben Tag zu malen gedenkt: legt ſolches auf die mit naſſem Kalk beworfne Mauer,und faͤhret mit einem ſpitzigen Eiſen nach den Umriſſen der Zeichnung: wodurch ſich der—ſelbe zart in den Kalk eindruͤckt. Das abgezeichnete Stück malt er alsdenn aus, undfahrt damit ſo lange fort, bis das Werk zu Stande gebracht worden. Man kann aufdieſe Art nicht fehlen, weil bey Auflegung des neuen abgeſchnittenen Stuͤcks das Endedes vorigen erſcheint. N
Malt man nun auf eine Tafel oder Leinwand nach einem Karton; ſo uͤberſtreichtman dieſen hinten mit geſchabten Kohlen, legt ihn auf die Tafel, zieht die Umriſſe derZeichnung mit einem Griffel nach, ſo druͤckt ſich dieſelbe, vermoͤge des Kohlſtaubs aufdie Leinwand ab. So verfuhren einige Italiaͤner, beſonders Florentiner. Unendlichbeſſer aber iſt gleich nach dem Leben oder dem Modell zu zeichnen, und ſich dieſes Huͤlfs-mittels, das einen Meiſter, der in ſeiner Kunſt nicht ſtark iſt, verraͤth, nicht zu bedienen.
Das 14. Capitel.
Von der Malerey mit Waſſer und Oelfarben,desgleichen auf Stein.
Seit den Zeiten des Cimabue, und lange vorher bey den Griechen war es gebraͤuch-
lich auf der Mauer, oder eine Gypswand zu malen. Wie man aber bemerkte,
daß die Mauern gar zu leicht Ritzen bekommen, oder gar Stuͤcken Kalk abſpringen: ſo
ing man an, die Mauer mit Leinwand zu uͤberziehen, darauf den Gyps zu tragen, undalsdenn erſt zu bemalen. Dieſe Malerey wurde alla tempera benennet.
Man verfuhr bey derſelben folgendergeſtalt: Es wurde ein Huͤnerey zerſchlagen,und mit einem friſchen Zweige von Feigenholz durchgeruͤhrt: Aus dem Safte des Zwei-ges und dem Eygelb entſtund die Maſſe, welche man tempera hieß, und damit wurdendie Farben, ohne weitere Miſchung von Waſſer oder Gummi angeruͤhrt, und verar-beitet. Alle Farben, die aus dem Mineralreiche, oder durch ehymiſches Verfahren
entſte-