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118 Tab. 1. Die Regeln der Malerkunſt
II.
n. Daß dadurch der Umfang, und wie weit ſich die aͤuſerſte Flaͤche einer jedweden
Sache ausbreite, beſtimmt, und die unterſchiedlichen darinn enthaltenen Theileangedeutet und ausgedruckt werden.m. Daß ſie in einer Zuſammenſetzung gewiſſer Linien beſtehe, welche dazu dienen/daß die koͤrperlichen Sachen entworfen werden:1. Nach ihrer Form und Geſtalt.2. Nach ihrem aͤuſſerlichen Anſehen, und3. Nach ihrer Lage oder Stellung. aW. Daß dadurch alle Arten von Flaͤchen entſtehen, welche auf keine andere Weiſeſeyn und beſtehen koͤnnen, als nach ihren gewiſſen Umkreiſen, die da ſind1. Geradelinigt.2. Zirkelrund, oder krummlinigt, und3. Aus beyden zuſammen geſetzt.
Nach ihrem Umfange, wie weit ſie ſich erſtrecket; da ſie dann faſt unermaͤßlich itindem ſie nicht nur alles, was in der Natur befindlich iſt, ſondern auch ſolche Schen vorſtellt, die ſich bloß in der Einbildung unter einer koͤrperlichen Figur erdenken laſſen.
Das vornehmſte Objekt aber, mit welchem ihr Fleiß zu thun hat, iſt der menſch-liche Koͤrper, in deſſen Innwendiges ſie dringet, und die verborgenſten Gemuͤthsbe-wegungen auszudruͤcken ſich bemuͤhet.
III. Nach Ausuͤbung oder nach der Praxis, ſo auf zweyerley Weiſe vorgenommen wird:
1. Nach dem bloſſen Anſchauen oder Augenmaaß; wobey zu beobachten haben1. Die Lehrlinge und Anfaͤnger dieſer Kunſt:
1. Daß ſie die Hand und Beurtheilungskraft gewoͤhnen ſollen, nach dem
Augenmaaß bloß die guten Originale zu kopiren; auch zuvoͤrderſt in deZeichnung und Entwurf der bloſſen Hauptlinien ſich feſt ſetzen, ehe ſie denSchatten zu geben, ſich unterfangen.
2. Sollen ſie ſolche Originale vor die Hand nehmen, welche vollig ausge;fuͤhrt ſind; und zwar anfaͤnglich Stuͤcke, die weder gar zu muͤhſam, nochvon vielerley Sachen angefuͤllet ſind.
3. Der Quadrate, oder des uͤber das Gemaͤhlde gezogenen Gitters, ſolman ſich ja enthalten, weil ſie die Beurtheilung nachlaͤßig und ſtumpf ma-chen: Sintemal hoͤchſt noͤthig iſt, daß der Verſtand mit einem freuenuneingeſchraͤnten Nachſinnen allhier arbeite, als welches das einige Mit-tel iſt, zu einer ungezwungenen und leichten Manier zu gelangen.
4. Sollen ſie ſich nicht unterſtehen, nach den Regeln der Perſpectiv et,was zu verfertigen, ſie waͤren denn ſchon ſo weit gekommen, daß ſie et“was nach dem Leben zeichnen konnen. So wird ihr Geiſt in ſeinet,Freyheit erhalten, und ihre Beurtheilungskraft dahin gebracht, daß sevon der Geſtalt und dem aͤuſſerlichen Augenſchein der Sachen gründlich
urtheilen, und ſich dieſelbe feſt einpraͤgen koͤnnen.
2. Die, ſo in dieſer Kunſt ſchon weiter gekommen ſind: Dieſe nun ſollen ſich
1. Eine hurtige Hand angewoͤhnen, vornemlich wann etwas, ſo ſich bertget, nach dem Leben abzumalen vorkommt: In welchem Fall vonnoͤthe 5iſt, ſich dahin zu halten, daß man die Figuren in einer gewiſſen Gen(ſo nach dem Angulo Viſuali, oder Geſichtswinkel abgemeſſen iſt)*