von dem Ausdrucke und Vorſtellung der Handlung. 125ſollen, wenn ſe nicht nothwendig zu dem Hauptgegenſtande gehdren. Jedoch90 unverwehrt, allegoriſche Figuren zuweilen mit beyzufuͤgen. Nur muß man
Das fabelhafte nicht mit dem wahren vermengen.
in. Zu dem Ende ſoll man die vorzuſtellende Geſchichte oder Fabel fleißig uͤberden-
en, Buͤcher davon nachleſen, ſich die Charaktere und alle Umſtaͤnde wohl ein-prägen, und dieſe richtigen Begriffe nachgehends durch alle Theile des ganzenemaͤldes anbringen und ausfuͤhren.
. Nichts deſtoweniger kann man ſich die Freyheit nehmen, ſchickliche Nebenum-ſtände anzubringen, um dem Gemaͤlde mehr Abwechslung im Ausdruck zu ge-ben. Nur muß dem Hauptinnhalte des Gemaͤldes, oder der Wahrheit der Hiſto-rie, nichts zuwider laufen.
. Soll man, als eine der vornehmſten Regeln genau beobachten, daß das ganzeWerk mit ſich ſelbſt uͤbereinſtimme; ſowohl
1. Wenn unterſchiedliche Handlungen zuſammen kommen; da ein Unterſchiedzwiſchen den bloſſen Statuen und lebendigen Figuren zu machen; damitman den Statuen keine ſolche Stellung gebe, welche auf eine und an-dere Verrichtung, ſo in ihrer Gegenwart geſchiehet, gleich als ob ſie ſol-che mitmachen muͤſten, gezogen werden kann.
2. Als auch, was die ordentliche Eintheilung des Lichts und Schattens be-trift.
1 Muß man auf die Moden und Gewohnheiten oder das Koſtum Acht haben,damit alles uͤbereinſtimme mit
1. Der Zeit, da die Hiſtorie geſchehen,
2. Dem Orte, wo dieſes oder jenes ſich zugetragen,
3. Den Umſtaͤnden der Perſonen, welche vorgeſtellt werden.
vu. Soll auf einem Gemaͤlde nicht mehr vorgeſtellet werden, als was nach den dreh
Einheiten oder Bedingungen, nemlich1. Der Zeit,2. Des Orkes, und. 35 3. Des Raums, welchen es einnimmt, moͤglich iſt.In Anſehung der verſchiedenen Leidenschaften und Gemuͤthsbewegungen, einer je.den Figur insbeſondere; und zwar:* Ueberhaupt, nach der ſimplen Eigenſchaft ihrer Natur; wo bey den lebendigeniguren zu merken:
1. Daß die unvernuͤnftigen Thiere nichts thun, als wozu ſie von dem auſſer-lichen Trieb und Bewegung der sinnlichen Empfindungen angetrieben wer-den, ſo daß alle ihre Leidenſchaften entſtehen, erſtlich um ſich zu erhalten,oder zweytens ihre Art fortzupflanzen. i
2. Daß der Menſch insbeſondere mit Verſtand begabet iſt welcher ihn ver-nuͤnftig und umgaͤnglich macht; woraus dann dieſer Unterſchied und Vorzugvor andern Thieren flieſſet; daß er
1. Mit aufgerichtetem Leibe und Geſicht gehet. N 82. Augen und Ohren als die vornehmſten Werkzeuge ſeines Verſtandes,*U gerader Linse geſetzt hat; da bingegen dey den Thieren der eine Aug-