154 Die zweyte Vorleſung. Von den Verhaͤltniſſen.
Muskeln werden ſtark, und heben die Haut empor, daß ſie ſich viel mehr zeigen, ebey denen, die im Muͤßiggange dahin leben. a
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Diejenigen, welche ihre Arbeit ſitzend oder krumm verrichten, wenn ſie gleich müh-ſam und ſchwer iſt, bekommen einen plumpen Koͤrper, wo alle Theile gleichſam aul-einander gedrengt ſind: unter Leuten von ſchlechtem Stande, bekommen faſt nur djenigen einen ſchlanken ausgewickelten Korper und ſtarke Muskeln, die rudern oder dre-ſchen. Der Unterſchied, welcher ſich bey den Verhaͤltniſſen aͤuſert, findet auch bey denUmriſſen ſtatt; denn dadurch werden die Perſonen vorzuͤglich charakteriſirt.
dre Ver-
Man ſetzte vier Arten von Gegenſtaͤnden feſt, da man bey jedem beſondrk,e Scenen
haͤltniſſe und Umriſſe gebrauchen muß. Die erſte Art iſt wenn man laͤndlichvorſtellt. Den dabey vorkommenden Figuren giebt man etwas plumpe und ungewi aUmriſſe, wo die Muskeln nicht deutlich angedeutet ſind, ſondern leicht miteinander Ve
wechſelt werden koͤnnen. 5
Bey ernſthaften Gegenſtaͤnden, wo man die Natur von ihrer ſchoͤnen und annehmen Seite abbilden muß, waͤhlt man edle und gewiß beſtimmte Umriſſe, die ſallvon einem Theil zum andern uͤbergehen, und groſſe Partien formiren, wie man anFiguren der Juͤnglinge und Madgen bemerkt, wo der Umriß geſchlank fortlaͤuft.
Zum dritten macht man groſſe und ſtarke Umriſſe, wo nichts unbedeutend iſt/ ndern die ſtarken Muskeln einen Vorzug vor den ſchwachen haben, wo alles wohl gewaͤhlt und geordnet iſt. Dergleichen Umriſſe gehören fuͤr die Helden, bey denen nichlmangelhaft ſeyn darf. So wie die Dichter ihnen uͤbernatuͤrliche Kraͤfte zuſchreiben,.waͤhlten die alten Kuͤnſtler auch aus verſchiedenen Koͤrpern das ſchoͤne, und ſetzten 0aus ein Ideal zuſammen, das ſich zu dem heroiſchen Charakter ſchickte.
Die vierte Art der Umriſſe iſt uͤber die Natur, man nennt ſie groſſe, ſtrenge undfuͤrchterliche. Groß, weil die Figuren dadurch groß und majeſtaͤtiſch ſcheinen, ſtreneweil ſie bloß das nothwendige zeigen, und die feinen Adern und Sehnen, die bey 105vorigen Zeichnungen angedeutet werden, weglaſſen Dieſe Manier ſchickt ſich b 1fuͤr Goͤtterfiguren, oder vergoͤtterte Helden, wie ſich denn dieſelbe vorzuͤglich zelltden alten Statuen des Herkules zeigt. Wenn Herkules als noch lebend vorge benwird, wie er von ſeinen Arbeiten ausruhet, ſo ſind die Nerven und Adern wie de.andern menſchlichen Figuren, als dem Fechter und Laocoon ſorgfaͤltig ausgedruckt. no-vergötterte Herkules, oder der ſogenannte Hercules Commodus(weil man den Con,dus unter dieſen Charakter abgebildet hat) zeigt weder Rerven noch Adern, noch derche Gefaͤſſe, die zur koͤrperlichen Nahrung dienen, auch keine von den Runze luerHaut, welche durch heftige Gemuͤthsbewegungen entſtehen, ſondern er iſt in ei eſtrengen Manier ausgefuhrt. Vermuthlich bildete man ſich ein, daß ein Korp chnunmehr aller Schwachheiten des menſchlichen Lebens beraubt waͤre, nichts als die ſch-ne Form behalte, und daß Homer dieſes anzeigen wollen, wenn er ſagt, alles man ſeliche am Herkules ſey durch das Feuer verzehrt worden. Die fuͤrchterlichen Umgehoren fuͤr Rieſenſtatuen, oder fuͤr ſolche, die man in der Entfernung ſiehet.ch dieſtand
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Aus allem dieſem zog man zuletzt den Schluß, daß ein Maler, ſo viel wöclnkleine und aͤngſtliche Manier in den Umriſſen vermeiden ſoll, wenn es der Gegennicht erfordert, oder ein Kontraſt zuwege gebracht werden ſoll. Durch det auf