Die dritte Vorleſung. Vom allgemeinen und beſondern Ausdruck. 18
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aber gleichwol nichts, was wuͤrklich dazu gehört, zu uͤbergehen, ſo hat er in den wenigen
Uiguren, welche Chriſtum begleiten, alle die verschiedenen Gemuͤthsbewegungen, wel-eich hieher ſchicken, angebracht, zum Exempel den Unglauben und die Gleichguͤltig-
dil der Juden, die ſpoͤttiſche Miene der Phariſaͤer, die Bewunderung ſeiner Juͤnger,le Ehrfurcht, und die Begierde der Kranken zu geneſen.
Der Maler muß es machen, wie der Dichter, Redner, Muſtker, und uͤber-haupt alle groſſe Genien in den freien Kuͤnſten; alle Theile muͤſſen ſich auf den Haupt-gegenſtand beziehen, und das Ganze muß eine allgemeine Leidenſchaft erregen. Sob fuhren auch die alten Maler nach dem Zeugniſſe des Plinius; er beſchreibt ein Ge-aalde, darinn Apelles eine Liebesgeſchichte des Alexanders abgebildet hatte; allesſßte in demſelben die Liebe ein. Jedoch ohne daß wir uns weiter auf Beyſpiele ein-aſſen, ſo giebt es ſchon die geſunde Vernunft, daß ſich alles zum Hauptgegenſtande
dicken muß, und daß man bey einem geiſtlichen Gemaͤlde keine laͤcheruche Epiſoden an-kingen darf.
Die Academie pflichtete dieſen Gruͤnden bey, und ſetzte zur Regel, daß der Ma-5 auf die ſeinem Gegenſtande zukommenden Charaktere acht geben muß, und das wasemſelben nicht weſentlich iſt, weglaſſen kann. Daß ſich kein Gemiſche von geiſtlichen0 weltlichen Dingen ſchickt, ſieht ein jeder von ſelbſt ein, ein kluger Maler wird es85 zucht anders als gezwungen thun, wenn jemand zum Exempel ein Bild als ein0 elüͤbde malen laßt. Man kann den Maler nicht mit der Freyheit der Dichter ent-
igen, und ſagen, die Geſchichte, welche ein Maler oder Dichter ſchildert, ſey ſogenau an die Chronologie nicht gebunden, wie Virgil, welcher die Dido und den Ae-ſec zuſammen bringt, ob ſie gleich nicht zu einer Zeit gelebt haben; ein Maler duͤrfeb alſo auch in gewiſſen geiſtlichen Gegenständen nicht ſo angſtlich an die Geſchichte1 den. Die Academie ſagte auf dieſen Einwurf, der Maler muͤſſe der Wahrheit ebenni getreu ſeyn, als der Geſchichtſcheiber, zumal in bibliſchen Vorſtellungen, weil er
nur das Auge zu ergötzen, ſondern auch den Verſtand zu unterrichten ſucht.
ö ren Anſehung der Allegorie machte man einen Unterſchied zwiſchen den Figurente ſcheidniſchen Gottheiten, und den wuͤrklich allegoriſchen Figuren. Das Erdichte-nie zw it ſich zwar eigentlich nicht zuꝛr Wahrheit, man wuͤrde aber einen Maler von Ge-ſchic ſehr einſchrenken, wenn man ihm verwehren wollte, die Allegorie mit der Ge-re 5 zu verbinden, im Fall er es dem Gegenſtande unbeſchadet, thun kann. Es waͤ-. lelmehr zu wuͤnſchen, daß die Maler, ohne jedoch das noͤthigſte ihrer Kunſt zu ver-ein abigen, ſowohl den moraliſchen oder myſtiſchen als den buchſtäͤblichen Verſtandund Geſchichte unterſuchten, ihre Werke wuͤrden dadurch deſto vollkommner werden,Krens n Beyfall der Kenner deſto eher erlangen. Man ſieht zum Exempel Ghricun amb 171 von einem gewiſſen groſſen Meiſter mit Vergnuͤgen an, weil er i 5 5debe zerdrucktem Kopfe angebracht, wodurch auf die Prophezeihung im dritten Kap
detrel. en Buchs Moſis gezielt wird, des Weibes Saame wird der Schlange den Kopfen.
de. Finige Allegorien ſchicken ſich blos für geiſtlche, andere für weltliche emand Man weiß daß der Körper der Engel etwas ſymboliſches iſt, gleichwol findet nie-und etwas dawider. Daraus folgt daß der Maler ſeinen Gegenſtand mit gewiſſennal oeiſchen Bildern gar wohl auszieren kann. Mancher schöner Gedanke läßt ſich 175icht wohl anders ausdrucken, es waͤre alſo zu ſtrenge gehandelt, wenn man den*.Sauptth. VI. Band. K) 85