18 Einleitung.
oben offen, und mit kleinen Riemen zugebunden. Die Tochter gedachter Theode-linda, Nahmens Gundiperga, fuͤhrte die Johanniskirche zu Pavia, desgleichen Koͤ-nig Grimoald die vom heiligen Ambroſius auf. Luitprandus, der zu König Pipinsin Frankreich Zeiten regierte, bauete eben daſelbſt die Peterskirche. Alle dieſe Ge-baͤude ſind in einerley Geſchmack, ohne ſchoͤne Architektur.
Zu Carl des Groſſen Zeiten ſchien ſich die Baukunſt etwas zu heben. Denner errichtete zu Florenz eine Kirche der heilige Apoſtel, deren Saͤulen, Capitale,und Bogen beweiſen, daß der Baumeister nicht ungeſchickt geweſen, weil die Ver-haͤltniſſe daran richtiger, als an irgend einem Werke aus dieſer Zeit ſind. Zu derZeit wurde auch zu Venedig die beruͤhmte Marcuskirche, um den Koͤrper dieſes Evange-liſten darinn aufzubewahren, den man aus Alexandrien dahin gebracht hatte, gebauet;und nicht lange hernach, nemlich 1069. wieder erneuert. Man ließ aller Ortendie koſtbarſten Saulen dazu aufſuchen, und ſie kam erſt im Jahr 1140. zu Stan-de, ſo wie ſie ſich bis auf den gegenwaͤrtigen Tag erhalten hat. Die Kirche warnach griechiſcher Manier, ſo wie die heutige Abtey zu Florenz, welche MarggrafHugo von Brandenburg geſtiftet, aufgefuͤhret. Man bemerket an dieſen Gebaͤu-den Spuren einer in etwas verbeſſerten Baukunſt: es iſt aber doch noch alles ſehrunvollkommen. Man trift zu Florenz verſchiedene alte Pallaͤſte aus eben der Zeitan, mit hohen ſchmalen Fenſtern und Thuͤren, mit unformlichen Spitzen, mit wun-derlich gedrehten Bogen, nach Art der alten Gebaͤude, die hin und wieder in Teutſch-land ſtehen. Sie beweiſen wie eingeſchraͤnkt die Kunſt damals geweſen.
Die im Jahr 1013. errichtete Kirche St. Miniato zu Florenz verdienet ihrLob. Man ſieht an den Zierathen, an dem Portal, daß die Baumeiſter derſelbenſich viel Muͤhe gegeben, die alte gute Manier nachzuahmen, und die Saͤulen, Ge-woͤlber, Bogen und dergleichen, wohl zu vertheilen. Die Malerkunſt, welche bis-her ganz verloſchen geweſen, ſchien gleichſam wieder aufzuwachen, wie die moſai-ſche Arbeit an der groſſen Kapelle dieſer Kirche zeiget.
Ein Baumeiſter aus dieſem Jahrhundert verdient dem Nahmen nach vorzuͤg-bekannt gemacht zu werden, weil er in der That fuͤr damalige Zeiten ein auſſeror-dentliches Genie beſaß. Er kam von der griechiſchen Inſel Dulichium, und hießBuſchet. Die Kirche zu Piſa iſt ein noch vorhandenes Denkmal ſeiner Geſchick—lichkeit. Die Piſaner waren damals ſehr maͤchtig, und hatten ſich durch eine bluͤ-hende Handlung groſſe Reichthuͤmer erworben, welches ſie in den Stand ſetzte ei-nen koſtbaren Bau zu unternehmen, und dazu von allen Orten die koſtbarſten Mar-mor, Steine und Stuͤcke von alten Saͤulen und Capitälen zuſammen zu ſchaffen,
welches damals was unerhoͤrtes war. Dieſe alten Ueberreſte waren von verſchie-
dener Groͤſſe, und paßten folglich nicht zuſammen, da ſie vielleicht von funfzig ver-ſchiedenen Gebaͤuden herruͤhrten. Buſchet wuſte alle die Truͤmmer ſo gut anzu-wenden, daß man ſich billig uͤber ſeine kluge Eintheilung verwundern muß. Vorallen verdient das vordere Portal viel Lob, an dem die Saulen ſich nach und nach
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