Band 
Siebender Band.
Seite
60
JPEG-Download
 

60 Rap. 7. Von einigen geſchickten Malerinnen des Alterthums.

Koͤpfe der zum Opfer beſtimmten Thiere wurden mit allerhand Laubwerk, Kraͤnzenund Baͤndern geziert, wie die Figur ausweiſet.

Wenn das Vieh nun ſollte geſchlachtet werden, ſo wurden verſchiedene Artenvon Beilen und Aexten gebraucht es zu faͤllen, und nachgehends groſſe Meſſer mitſilbernen Heften und Knoͤpfen, um es aufzuſchneiden und zu zertheilen. Das Ein-geweide legte man auf Schuͤſſeln, die zum Theil mit kuͤnſtlich erhabnen Figuren ge-ziert waren, bis es entweder gekocht, oder ſonſt gebraucht wurde. Wenn dasOpfer auf dem Altar lag, pflegte man es gemeiniglich mit Wein aus zierlichenGießkannen zu begieſſen, oder auch nur Tropfen darauf fallen zu laſſen. ZumRauchwerk bedienten ſie ſich zweyerley Gefaͤſſe, erſtlich eines groſſen, faſt wie einKrug geſtaltet(ſiehe die Platte unten rechter Hand) worinn der ganze Vorrathaufbewahrt wurde; und eines kleinen zierlichen, zum taͤglichen Gebrauche, wie dieFigur rechter Hand uͤber gedachtem Kruge ausweiſet. Zur Seite ſtehet man eineſolche Gieskanne, an der andern Seite der Statue einen Oelkrug, und oben verſchie-dene Meſſer, Beile und Opferkraͤnze. Ferner bemerkt man eine Haube, wie dieheidniſchen Prieſter zu tragen pflegten. Und ganz oben ein Gewand und einenPrieſterſtab.

An der Statue ſelbſt kann man den ganzen Habit der Veſtalinnen abnehmen.Auf dem Kopfe trugen ſie eine beſondre Art von Schleyer, dergleichen ſonſt nie-mand zu tragen pflegte, uͤbrigens waren ſie weiß mit etwas Purpur bedeckt geklei-det; das Haar war rings um den Kopf herum gekaͤmmet, und hieng unter demSchleyer lockenweiß auf den Nacken hinab. Weil die Veſta beſtaͤndig eine Jung-fer geblieben, ſo mußten ſie ſich auch der Keuſchheit widmen. Es waren ihrerſechs an der Zahl, und ſie wurden anfangs von den Koͤnigen, hernach von denPrieſtern gewaͤhlt, und zwar ſo, daß ſie allemal aus zwanzig Maͤdgen eine er-griffen. Sie muſten zehen Jahr den Dienſt der Goͤttin lernen, zehen Jahr aus-uͤben, und zehen Jahr ihn wieder eine andre lehren, folglich dreyßig Jahr imJungfernſtande bleiben; Alsdann durften ſie heurathen, es geſchahe aber ſelten,theils weil ſie alt wurden, theils weil ſie ſo geehrt waren, daß manche lieber indem Stande blieben. Ihr Amt beſtund hauptſaͤchlich darinn, daß ſie das heili—ge Feuer, und das Heiligthum von Rom bewahren mußten. Sie ſtunden in ſol-chem Anſehen, daß die Buͤrgermeiſter ihnen auf der Gaſſe auswichen, und einzum Tode verurtheilter Miſſethaͤter erhielt das Leben, wenn ihm eine Veſtalinbegegnete.

Eine ſo geehrte Veſtalin, war die Malerin Lala. In Abſicht auf ihre Be-ſchaͤftigung ſind Pinſel und Palette oben auf der Platte hinzugeſetzt worden.

Das