374 Rap. 24. Von ſieben und dreyßig Kuͤnſtlern,
Nach des Kaiſers Abſterben wandte er ſich an den bayriſchen Hof, und ward von demChurfuͤrſten Maximilian nicht nur anſehnlich beſoldet, ſondern auch ſeiner perſoͤnlichenguten Eigenſchaften halben beſonders hochgeſchaͤtzt. Sandrart lebte viele Jahre mitihm in vertrauter Freundſchaft, und ruͤhmt ſeinen rechtſchaffenen Charakter. Abon-dio verheyrathete ſich, wahrend ſeines Aufenthalts zu Prag, mit der Witwe des be-kannten Malers Johann von Ach. Er ſtarb zu Munchen, und hat daſelbſt, wie auchin der kaiſerlichen und florentiniſchen Kunſtkammer, viele Andenken ſeiner Geſchicklich-keit hinterlaſſen.
3. Paul von Vianen.
a Paul von Vianen hat dieſen Namen vermuthlich daher erhalten, weil der Va-ter aus dem bey Utrecht gelegenen Orte Vianen gebuͤrtig war. Der Vater fuͤhrteihn und den Bruder Adam zur Silberarbeit an. Sie lernten erſt die Zeichenkunedas Wachspuſſiren, und darauf allerley Figuren und andre Gegenſtaͤnde in Silber ztreiben. Paulus bezeigte inſonderheit eine Neigung allerley Hiſtorien, oder Fabeauf dieſe Art auszufuͤhren, und gieng in der Abſicht nach Rom, um ſich daſelbſt nac)den Antiken in der Zeichnung zu uͤben. Er verfertigte ganze hiſtoriſche Zuſammen-ſetzungen, als Dianenbäder, und dergleichen, die mit dem Hammer ſo künſtlich gestrieben waren, daß man die Erfindung, die Zeichnung, und die ganze Ausführungdaran bewunderte. Seine Marienbilder und andre Figuren von Heiligen, wurdeſtark geſucht. Weil er dadurch viel Geld verdiente, ſo fanden ſich Neider, die ihmaus Bosheit bey dem Inquiſitionsgerichte angaben, als wenn er freye Reden gegen“Religion fuͤhrte. Von Vianen ward deswegen eingezogen, muſte einige Monathe gesfangen ſitzen, und erhielt endlich, weil man nichts auf ihn bringen konnte, die Freh,heit wieder, jedoch mit der Bedingung, Rom auf Lebenslang zu meiden. Er kaldarauf, durch Vermittelung des kaiſerlichen Geſandten zu Rom, in die Dienſte 25Kaiſers Rudolphs nach Prag, wo er ſich durch ſeine getriebene Arbeit einen groſſelNahmen erwarb. Er ſtarb unverheyrathet, wie er im Begrif war nach Utrecht;reiſen, um die uͤbrige Lebenszeit in ſeinem Vaterland zu beſchlieſſen.
4. Adam von Vianen.
Adam von Vianen, des jetztgedachten Pauls Bruder, kam nie aus ſeinemVaterlande, ſondern hielte ſich beſtaͤndig zu Utrecht auf, und verſorgte von dort ausAmſterdam, und beynahe ganz Holland, mit ſeiner kunſtreichen Arbeit. So wie ſiaber der Bruder Paul mit edlern Gegenſtaͤnden, als Figuren, Thieren, und Landſchaften beſchaͤftigte, ſo verfertigte Adam nichts als Grotesken und allerley ſeltſameFiguren von getriebener Arbeit, und brachte ſolche bey Handbecken, Schalen, Salzfaͤſſern, und ſo weiter, an. Adam lebte noch im Jahr 1630. verheyrathet zu lltrecht/und hatte einen Sohn, den er zu aͤhnlicher Arbeit anfuͤhrte.
5. Adrian de Vries.
Adrian de Vries war aus dem Haag gebuͤrtig, und von der Natur gleichſammzum Bildhauer beſtimmt. Er machte viele groſſe und kleine Bilder von Stein, Wacht,oder Thon, und goß ſolche nachgehends, wenn es verlangt wurde, in Bronze. d.Vries that eine Reiſe nach Italien, beſuchte vornaͤmlich die Akademie zu Florenz flei-ßig, und brachte es durch anhaltendes Zeichnen und Modelliren nach den Antiken,oder auch nach dem Leben, ſo weit, daß man ihn fuͤr den geſchickteſten in der Akade,mie hielte. Auf der Ruͤckreiſe durch Teutſchland nahm ihn Kaiſer Rudolph II. in ſenteDienſte, und ließ ihn zu Prag arbeiten. Wie dieſer aber nicht lange darauf misTode abgieng, wandte ſich der Kuͤnſtler nach Augſpurg, wo er mit ein paar öffent-
lichen Brunnen, zu denen er alle Statuen von Bronze gegoſſen, viel Ehre einge