Kap. 26. Von dreyzehn franzoͤſiſchen Malern. 405
len; dadurch ſtieg der Ruf von Poußins Geſchicklichkeit taglich. Man uͤberhaͤufteihn mit Auftraͤgen, und verlangte vieles von ſeiner Arbeit nach Paris. Der Kardi-nal Richelieu wollte nunmehr einen ſo beruͤhmten Kuͤnſtler nicht länger in Italien laſ-ſen, ſondern lag dem Koͤnige an, ihn nach Paris zu berufen. Der Entſchluß, denMittelpunkt der Kuͤnſte zu verlaſſen, koſtete dem Poußin viel. Bey der Ankunft ließ Lud-wig XIII. ihn in einer königlichen Kutſche einholen, empfieng ihn ſehr gnaͤdig, undtrug ihm auf, eine Gallerie im Louvre zu malen.
Fuͤr den Kardinal Richelieu verfertigte Poußin vier Bachanalien, und andreWerke. Der Koͤnig bekraͤftigte ihm im Jahr 1641. den Titel eines erſten Hofmalersund gab einen Gehalt von 3000. Livres dazu. In Anſehung der Gallerie, die er ma-len ſollte, fanden ſich viele Neider, und unter andern auch Vouet, die ihm ſo vielenVerdruß deswegen anthaten, daß Poußin der ein abgeſagter Feind von Unruhe undZaͤnkerey war, alles liegen ließ, und 1642. unter dem Vor wande ſeine Frau zu holen,wieder nach Rom zuruͤckreiſete. Der bald darauf erfolgte Tod des Koͤnigs machte, daſter ſeinen Entſchluß, Rom nie wieder zu verlaſſen, deſto ungehinderter ausfuͤhren konnte.Ludwig XIV. beſtaͤtigte ihm ſeinen Gehalt und Titel, und der Kuͤnſtler lebte noch 23.Jahre in dieſer Stadt.
Poußin war, wegen ſeiner Kunſt und uͤbrigen Wiſſenſchaften, durchgaͤngig be-liebt, jedermann ſuchte ſeinen angenehmen und zugleich lehrreichen Umgang; deswe-gen ſahe man ihn auf den Spaziergaͤngen, die er alle Morgen zu thun pflegte, allemalmit vielen Leuten umringt, die ſich ein Vergnuͤgen daraus machten, ſeinen Unterre-dungen zuzuhören. Die uͤbrige Zeit des Tages war er ſehr fleißig, und ließ ſich dabeynvorleſen. Dadurch erlangte er die vielen Kenntniſſe in den Geſchichten, Gebraͤuchenund Alterthuͤmern, welche aus ſeinen Werken hervorleuchten. Er las allemal die Ge-ſchichte vorher, ehe er ſie ausfuͤhrte, und uͤberdachte ſie erſt lange, bis er die Kreideanſetzte. Daher ſind alle ſeine Zuſammenſetzungen edel und uͤberlegt, und die Stellun-gen wohlgewaͤhlt; die Figuren ſind nicht gehaͤuft, ſondern man ſieht nur die zur Hand-lung noͤthigen, und zwar bey jeder das rechte Alter, den Ausdruck der Leidenſchaft,und eine gute Bekleidung. Obwohl in Anſehung der letztern nicht zu laͤugnen, daß Poußinoft etwas ins trockne und ſtein⸗ oder ſtatuenmaͤßige verfaͤllt, weil er durch das beſtaͤn-dige Zeichnen nach den Antiken und Basreliefs ſich zu ſehr an die engen gefalteten Ge-waͤnder gewoͤhnte.
Wenn Poußin den Entwurf mit der Kreide gemacht hatte, ſo ſtellte er kleineFiguren von Wachs in der Ordnung, wie ſie im Gemaͤlde gruppirt werden ſollten, beyeinander hin, gab ihnen die erforderlichen Stellungen, und behieng ſie mit naſſerLeinwand, um zu ſehen, was die Vorſtellung fur eine Wuͤrkung thun wuͤrde. Nach-gehends nahm er bey der wuͤrklichen Ausfuͤhrung groͤſſere Gliedermaͤnner, und behiengſie mit klarer feuchter Leinwand, damit das nackende durchſcheinen ſollte. Es waͤrezu wuͤnſchen, Poußin haͤtte ſich mehr eines ſchoͤnen Kolorits und der Haltung befliſſen.Aber die gar zu ſtrenge Nachahmung der Antiken war ſchuld, daß er dieſe wichtigenStuͤcke vernachlaͤßigte, und dadurch oft hart, und weniger lebhaft ward. Er zog beyſeinen Figuren die Natur nicht genug zu rathe. Deſtomehr that er dieſes bey denherrlichen Landſchaften. Er zierte ſie gemeiniglich mit alten Gebäuden und Ruinenaus, und gieng oft aufs Feld, um allerley Gegenſtaͤnde abzuzeichnen, die er nachgehendswieder in die Gemaͤlde anzubringen ſuchte. Er unterrichtete ſeinen Schwager Caſpar3»Eee 3 Dughet
19971