41 Rap. 27. Sechzehn franzoͤſiſche Kupferſtecher.
Man hat ein merkwuͤrdiges und von den Liebhabern geſuchtes Biet von ihm,welches das Geſicht des Heylandes mit der Dornenkrone vorſtellt, und aus einemStriche beſtehet. Dieſer Strich faͤngt an auf der Spitze der Naſe, und lauft immerin der Runde oder in einer Schneckenlinie herum, und gleichwohl iſt durch die Ver—ſtaͤrkung und Verminderung dieſes Striches, die ganze Haltung und Rundung desGeſichts und aller ſeiner Theile heraus gebracht. Das Bildniß des Prinzen Juſti-niani und verſchiedne Statuen in deſſen Gallerie, ferner das Bildniß von ClemensVIII. werden fuͤr Meiſterſtuͤcke in dieſer Art gehalten. Seine gezeichneten Portraͤtskoͤnnen in ihrer Art nicht ſchoͤner ſeyn.
Der Vater verlangte anfangs daß ſein Sohn ein Maler werden ſollte, undſchickte ihn deswegen in des Vouet Schule. Allein nachdem er die Zeichenkunſt beydemſelben erlernt hatte, zeigte ſich ſein vorzuͤglicher Hang zum Kupferſtechen, wes-wegen er die Malerey liegen ließ. Der Ruf ſeiner Geſchicklichkeit verbreitete ſich nachEngland. Koͤnig Carl II. verlangte ihn nach London, allein er zog den Aufenthaltin ſeinem Vaterlande vor, wo er ſich verheyrathete. Der Koͤnig erwieß ihm ver—ſchiedne Wohlthaten, und raͤumte ihm auch eine freye Wohnung in der Gallerie desLouvre ein. Mellan ſtarb im Jahr 1688. Eines ſeiner beſten Blaͤtter hat die ſonder-bare Unterſchrift aus dem heiligen Auguſtin: Ego Evangelio non crederem, nilime catholicae Eccleſiae commoveret auctoritas.
4. Audran.
Da die Audrans ſich in der Kunſt, und zumal im Kupferſtechen ſo beruͤhmtgemacht haben, ſo verdienen ſie daß wir ihrer etwas genauer erwehnen, obgleichin der vorigen Ausgabe nur der einzige Claudius angeführt worden. Ihre Werkeund ihre Nahmen werden haͤufig miteinander verwechſelt, wir wollen ſie deshal-ben richtig auseinander ſetzen, und um mehrerer Deutlichkeit willen, folgende klei-ne Geſchlechtstabelle voraus ſchicken: i
16. Caudius III.Kant Audran ſtirbt ohne Kinder.[Germanus 1 J. Benedict llJ Claudus J. Audran ein Bruder Ludwig Michael.1 von Karl hat drey Soͤhne. Claudius II.Gerhard.
Nach dieſer Tabelle wollen wir nunmehr die Kuͤnſtler einzeln etwas ge-nauer durchgehen. e
Carl Audran, der aͤlteſte ſeines Geſchlechts, zeigte ſich als ein guter Kupferſtecher. Er war im Jahr 1594 zu Paris gebohren, und gieng einige Jahre nachItalien, um ſich in ſeiner Kunſt, vornaͤmlich aber im Zeichnen nach den Antiken, zu
uͤben. Nach der Zuruͤckkunft in Paris zeichnete er Anfangs ſeine Blätter mit C. 15