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Tegel, welcher am Wienerberge, der ganz daraus besteht, fürZiegelfabrikation abgebaut wird. *)
Von den Strand-Ablagerungen dieser Stufe sind nur kleineReste bei Gumpoldskirchen , unweit des Richardshofes erhalten, diedort unmittelbar auf dem dolomitischen Kalk des alpinen Ufershorizontal aufliegen und grössere Partien versteinerungsleerer, sehrfester Conglomerate, die bei Fischau am Steinfeld, Rohrbach u. s. w.als Baustein gebrochen und bis Wien verführt werden.
Ueber dem Congerientegel nimmt local ein eigentümlichesMateriale unsere Aufmerksamkeit in Anspruch, es ist eine reineFlussbildung aus Sand und flachen Quarzgeschieben (nicht ab-gerundeten Gerollen, welche eine Bildung von Seebrandung sind)bestehend, die sich augenblicklich als Flussabsatz manifestirt. Siezeichnet sich durch ihr hochgelbes, rostfarbiges Aussehen aus, wurdedem Laufe eines grossen Stromes (in der Richtung der heutigenDonau ) folgend abgelagert, und ist uns unter dem Namen Belvedere -Schotter geläufig.
Er schliesst die Reihe der mittel tertiären (miocänen) Bildungendes Wiener Beckens ab. Ueber demselben breiten sich unmittelbardie Schotterbänke des Diluviums, local feiner sandiger, starkkalkhaltiger Lehm (der bekannte Löss des Marchfeldes u. s. w.)aus, und schliesslich die Alluvialschotter und Alluvialthone (Silt)der Donau , des Wienflusses und der übrigen kleinen Wasseradern.
Das Eingangs der vorliegenden Studie beigegebene Idealprofildes Beckens von Wien erläutert uns diese Verhältnisse.
Wir haben Gelegenheit gehabt durch mehrere artesische Tief-bohrungen den Boden unmittelbar unter Wien genauestens kennenzu lernen, hauptsächlich durch jene am Getreidemarkt, und einezweite am Staatsbahnhof, die beide ganz correspondirende Schichtendurchsetzt haben.
Der Bohrversuch am Staatsbahnhof, dessen Profil auf derfolgenden Seite sich befindet, begann im März 1841 und endete imAugust 1846. Er lieferte gleich anfangs 16.000 Eimer Wasser imTag, ist aber bald sehr zurückgegangen und gegenwärtig durch eineWasserleitung ersetzt. Das Bohrloch, in 7'5 Klafter Tiefe eingesetzt,wurde 610 Fuss tief getrieben, wobei 246 Fuss im Tegel der Congerien-stufe, dem Materiale unserer Wienerberger Ziegeleien, das übrigein der sarmatischen Stufe verlief, ohne sie ganz durchsunken zu
*) Im Jahre 1872 betrug die Gesammt-Erzeugung und der Absatz sämmt-licher Fabriken der Wienerberger Actiengesellschaft 170 Millionen Ziegeln.