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Der Boden der Hauptstädte Europa's : Geologische Studie / von Felix Karrer
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Central-Zone, die Texas , Spanien , Normandie , Böhmen , Alpen und Ural umfasst.

In vielfach gehobenen und gestörten Gebirgen mit einemenormen Reichthum an Versteinerungen und mächtig entwickeltsehen wir die Kalke der englisch -norwegischen (Silur-) Provinz gegenNordost heranziehen. Aber immer mehr nimmt diese Mächtigkeit ab,und schliesslich finden wir die Sedimente der schwedisch -baltischen(Silur-)Facies nicht nur mit verminderter Masse, sondern auch innahezu ungestörter Lagerung von Südwest her bis gegen St. Peters­ burg als einen fast ebenen, nur schwach gegen Süden geneigtenBoden unter dem Diluvium liegen.

Seit den ältesten Zeiten scheinen hier weder Erhebungen nochSenkungen vorgekommen zu sein.

Aber auch das Materiale des Sendiments ändert sich voll-ständig. Während wir noch im Süden die niederen Höhen, aus derPlita, dem grauen, selten röthlichen Silurkalke und dem darunterliegenden Unguliten-Sandstein Russlands bestehend antreffen,steht thatsächlich Petersburg auf einer reinen Thonfacies desSibirischen, auf Tegel , der in seinem unteren Theile mit Sandund Sandsteinlagern wechselnd, in einer Mächtigkeit von nahezu600 Fuss unmittelbar auf dem Granit aufsitzt.

Das nebenstehende Profil, welches Herr Prof. Möller vomkais. Berg-Institute in St. Petersburg freundlichst mitgetheilt hat,gibt ein vollkommen deutliches Bild dieses so ausserordentlichinteressanten Bodens der russischen Hauptstadt.

In noch weit höherem Masse erlangen wir aber einen deutlichenEinblick in den Untergrund der Stadt aus dem ebenfalls bei-gegebenen Profile des 658 russische Fuss tiefen artesischenBrunnens, welcher auf Anregung des Generals Helmerson imJahre 1861 im Narvaschen Stadttheile, im Hofe der Anstalt zurFabrikation der Staatspapiere, gebohrt worden ist.

General Helmerson, welcher die Güte hatte, mir das Profildes Brunnen nebst einer Anzahl darüber veröffentlichter wichtigerAngaben zuzusenden, hat sich, abgesehen von der Wichtigkeitder Wasserversorgungsfrage von St. Petersburg durch diese seine Ar-beiten ganz besonders um die Kenntniss ihres Untergrundes verdientgemacht. Ich entnehme seinem Berichte*) die nachfolgenden Daten:

Vom Bodenniveau ab durchsinkt der Brunnen zuerst diejüngsten Schichten, das neuere und ältere Alluvium. Zu dem

*) Melanges physikes et chimiques (Bull de lAcad. Imp. Tom. VI. Liv. 2,pg. 171. Verschiedene Artikel der Petersburger Zeitung 18581872.