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Katharina II. von Russland : August der Starke - Kurfürst von Sachsen, König von Polen ; Papst Alexander VI. ; Karl Leopold - Herzog zu Mecklenburg-Schwerin ; Ludwig XIV. - König von Frankreich
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37
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sie plötzlich, daß er noch lebe. Als die Garden von Peters Der«Haftung hörten, meldete sich bei den naiven Söhnen des Volkes,die an der Gewissenlosigkeit und Entartung dervornehmenGesellschaft keinen Antheil hatten, die mahnende Stimme in derBrust, und sie begannen darüber zu diskutiren, ob man auch einRecht gehabt habe, Peter abzusetzen und einzusperren. In diesemStreit der Meinungen geriethen sie blutig an einander. DieMarinesoldaten, die an dem Zechgelage nicht theilnahmen, höhntendie Garden, daß siefür einen Schluck Branntwein ihren Zarenverkauft hätten", und es hätte nach dem Urtheil eines Augen-zeugen in jenen ersten Tagen nach dem Staatsstreich nur einesFührers von erforderlicher Kühnheit bedurft, um Peter den ihmentrissenen Thron wiederzugeben.

Schließlich wußte man jedoch die Aufregung der Soldatendadurch zu beschwichtigen, daß man ihre Aufmerksamkeit auf dieKeller der friedlichen Bürger und die Schanklokale lenkte. Als-bald begann eine allgemeine Plünderung der Stadt, und in Wodka,Bier, Champagner ward der letzte Rest von Gewissen in dentapferen Garden ersäuft. Zuletzt redete man ihnen ein, die neueZarin sei selbst in Gefahr: der König von Preußen habe siestehlen lassen. Nun zogen sie iu hellen Haufen, betrunken wiesie waren, nach dem Sommerpalais, in dem Katharina seit dreiTagen die erste Nachtruhe hielt, und so viel auch die Offiziereund Höflinge sich bemühten, die Soldaten zu beruhigen, sie ließennicht nach, bis Katharina die Nachtjacke mit der Garde-Uniformvertauscht und sich ihnen gezeigt hatte. Es ward der neuen Allein,Herrscherin allen Ernstes bange vor ihrenwackeren" Prätoricmern,und eine ganze Woche durch umstanden auf Befehl Orlows ge-ladene Kanonen mit brennenden Lunten den Palast, um dieSchäferstnnden der frischgebackenen Machthaber vor derartige»Störungen zu behüten. Nicht weniger als 25,000 Rubel Schaden-ersatz mußte Katharina an die Kaufleute und Schankwirthe zahle»,deren Vorräthe die durstigen Garden geplündert hatten.

Günstlings Glück und Ende. Ein ganzes Jahr-zehnt wußte Gregor Orlows sich an der Seite seiner Geliebtenzu halten. Sein eifrigstes Streben war darauf gerichtet gewesen,dem verbrecherischen Verhältniß, in dem er zu der Despotin stand,durch den -Segen der Kirche die höhere Weihe" zu geben und