— 33 —
sein „Glück" festzuhalten. Aber auch der spanische Bräutigam^ war mit seinem Herrn Papa angelangt, um seine Rechte auf! die Bastardtochter des heiligen Vaters geltend zu machen, und. so sehen wir denn durch nahezu ein halbes Jahr um daszwölfjährige Papstkind einen heftigen Streit ausbrechen, andem selbst die Könige theilnahmen, und der beinahe zu einemblutigen Ende geführt hätte. Indessen ließen sich die Spanierihre vermeintlichen Rechte gegen eine Abstandssumme von3000 Dukaten abkaufen, und der Graf von Pesaro konnte dieBraut heimführen.
Alexanders „Häuslichkeit." Die mit großemPomp begangene Hochzeit der Papsttochter läßt uns eineninteressanten Einblick in die Häuslichkeit des damaligen Ober-hauptes der Christenheit gewinnen. Die junge Lucrezia lebtein jener Zeit bereits von ihrer Mutter Vanozza getrennt, inihrem eigenen Palaste, den ihr der Papst in der nächsten Nähedes Vatikans hatte einrichten lassen. Hier brachten Günstlingeund Schmeichler der angehenden Fürstin ihre Huldigungen dar.Vanozza, deren Gatte inzwischen zum päpstlichen Kerkervogtavancirt war, verkehrte nur durch die Hintertreppe mit ihrer! später so „berühmt" gewordenen Tochter — sie meldete sichin der Regel nur, wenn sie Geld brauchte. Die Honneursdes Hauses machte eine spanische Verwandte des Papstes,Donna Adriana, die Wittwe eines Orsini, welche auchdie Erziehung Lucrezias geleitet hatte. „Der Kardinal Nodrigo,"sagt Gregorovius, „lebte im innigsten Verkehr mit Adriana;i sie war mehr als seine Verwandte, sie war die Vertraute seinerI Sünden, seiner Intriguen und Pläne, und blieb das bis anseinen Tod."
Donna Adriana hatte einen Sohn, Ursinus Orsini»der mit der fünfzehnjährigen Julia Farnese verlobt war.Dieses ungewöhnlich schöne Mädchen war, noch bevor es sichmit dem jungen Orsini verheirathet hatte, das, Opfer dessechzigjärigen Wüstlings Rodrigo Borgia gewordui. Und so> stef war die Verworfenheit dieser an die Spitze der christlichen
3