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Katharina II. von Russland : August der Starke - Kurfürst von Sachsen, König von Polen ; Papst Alexander VI. ; Karl Leopold - Herzog zu Mecklenburg-Schwerin ; Ludwig XIV. - König von Frankreich
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5
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Wer kümmert sich heut viel um dieses weltverloren,Stück Erde, das da halb vergessen am Ufer des Meeres liegtund in einem politischen Vertorfungsprozeß begriffen scheint?Wer fragt nach diesen dreihundert Quadratmeilen Landes, derenEinwohnerschaft kaum halb so viel Köpfe zählt, als die Be-völkerung Berlins ausmacht?

Daß Mecklenburg einen Ochsen im Wappen führt, daßes einen Dichter Namens Fritz Reuter hervorgebracht hat,und daß es bis aus den heutigen Tag keineVerfassung" immodern-bürgerlichen Sinne besitzt das ist so ziemlich alles,was der Bougeois über Mecklenburg vorzubringen weiß. Under zuckt bedauernd die Achseln und schweigt sich aus: was sollman über ein solches Land erst Worte verlieren?

Und dennoch bietet kaum ein zweiter unter den zwei Dutzenddeutschen Bundesstaaten dem wirthschafts-geschichtlichen Forscherso viel interessante Erscheinungen dar, wie gerade Mecklenburg.Es bildet gleichsam ein social-historisches Museum, dasuns dicht neben einanderwohlerhaltene Neste" aus den ver-schiedensten Epochen jener in Rassen- und Klassenkämpfen sichabspielenden Entwickelung vor Augen führt, die im Verlaufeines Jahrtausends das Bild der europäischen Gesellschaft vonGrund aus umgewandelt hat.

Wir haben da, als Ueberbleibsel der alt-slavischen Barbaren-zeit, ein echtes wendisches Regentenhaus, dessen Vorfahren bereitsin jenen Tagen das Land beherrschten, da noch die heidnischenGötzen Radegast, Goderac und Perkun statt des dreieinigenGottes von den Bewohnern Mecklenburgs angebetet wurden.Wir haben neben der wendischen Dynastie die feudale Ritter«