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Katharina II. von Russland : August der Starke - Kurfürst von Sachsen, König von Polen ; Papst Alexander VI. ; Karl Leopold - Herzog zu Mecklenburg-Schwerin ; Ludwig XIV. - König von Frankreich
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52
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hundertjähriger Dauer mit dem Siege der Ritterschaft endete, einem Siege, von dessen Früchten dieEdelsten und Besten"der mecklenburgischen Lande noch heut in idyllischer Ungestört-heit zehren.

Die eine der beiden Parteien haben wir ihrem innerenWerth und Wesen nach zur Genüge kennen gelernt. Musternwir die Gegenseite, so tritt uns eine Reihe höchst unbedeutenderMenschen entgegen, deren Lebensschicksale sehr gleichgültig sind.Da ist der schon genannte Adolf Friedrich, der Sohn desSelbstmörders Johann, ein brutaler Herr, der mit allerWelt im Unfrieden lebte, ein irrsinnig bigotter Lutheranerwar und seinem Lande neunzehn Prinzen und Prinzessinnenschenkte. Da ist sein Sohn Christian, ein beschränkterSonderling, der zum Katholizismus übertrat, den Steinder Weisen finden wollte und fast seine ganze Regierungszeitin Paris zubrachte. Er war ein leidenschaftlicher VerehrerLudwigs des Vierzehnten, dem zu Ehren er sich auch denNamen Christian Louis zulegte, und ist wohl mit seinenabsolutistischen Allüren die lächerlichste Karrikatur des franzö-sischen Sonnenfürsten gewesen. Er führte auch in Mecklenburgden zeitgemäßen Brauch ein, sich neben der legitimen Ge-mahlin Maitressen zu halten ein Brauch, in dem ihm seineNachfolger getreulich nachahmten. In Ludwig XIV. war erso vernarrt, daß er sein angeerbtes Stammland Mecklenburggegen das dem Kurfürsten von Brandenburg gehörende Herzog-.thum Cleve vertauschen und letzteres an Ludwig verkaufenwollte. So sah' 'es um denPatriotismus" der deutschenFürsten aus.

Weiterhin nennen wir von den mecklenburgischen Durch-lauchten Gustav Adolf von Mecklenburg-Güstrow, einengott-begnadeten Dichter" von geistlichen Gesängen, der sich gleichwohlin seinen letzten Jahren dem Umgang mit unzüchtigen Weibernin so ausschweifender Weise hingab, daß er an den Folgenseiner geschlechtlichen Ausschreitungen zu Grunde ging. Da ernur neun Töchter, aber keinen Sohn hinterließ, so kam es