Mitten !n diese politische Stille trat Ludwig XIV.:anmaßend, eitel, frech, denselben Anspruch auf Alleinherrschaftnach außen hin erhebend, den er innerhalb seines eigenen Landeszur Geltung zu bringen wußte. Es genügte ihm nicht, durchdie bloße Beschwatzungs- und Bestcchungskunst seiner Diplomatendie Kabinette zu beherrschen — seine ungeduldige Eitelkeitdrängte ihn zu raschen, militärisch „schneidigen" Schritten.
Bald sehen wir französische Truppen in den Kirchenstaateindringen (1663), um die vorgebliche „Beschimpfung" zurächen, die den Dienern des französischen Gesandten zu Romdurch die päpstlichen Garden angethan worden sei. Der „aller-christlichste" König gegen den heiligen Vater — ganz derselbeAnfang wie bei Philipp von Spanien. Wir werden weiterunten sehen, daß auch Ludwig von Frankreich, wie der Spanier,sich bei aller Bigotterie und Orthodoxie doch stets als dasOberhaupt seiner Landeskirche betrachtete.
Nachdem der Papst dem „geliebten" und geehrten ältestenSohne der Kirche Genugthuung gegeben, wendet Ludwig seineAufmerksamkeit auf das zerrüttete Deutschland. Der Herzogvon Lothringen wird gezwungen, den französischen Truppenfreien Durchzug durch sein Land zu bewilligen, und bald sehenwir denn auch zwei französische Armeen durch Deutschlandziehen, die eine, um den Deutschen vorgeblich gegen die An-griffe der Dürken zu Hilfe zu kommen, und die andere, umdem Kurfürsten von Mainz die Stadt Erfurt zu unter-werfen (1663). Das waren die ersten Früchte des Rhein-bunds, den Mazarin mit den westdeutschen Fürsten geschlossenhatte! War es ja sogar die Absicht des Kardinals gewesen,für seinen jungen König die deutsche Kaiserwürde zu erringen,eine Absicht, die auch Ludwig selbst noch nicht aufgegebenhaben mochte.
Vor allem aber hatte er es auf das von seinem Schwieger-vater Philipp IV. beherrschte Spanien abgesehen. Schon wares ihm gelungen, Zwietracht zwischen Spanien und Portugal,die seit Philipp II. unter den Habsburger» vereinigt waren,