152
und so bunt aufschritt, wie ein Regenbogen, oder wie eineKleidermotte, die sich von Tuch zu Luch durchfrißt.
Da ich so gewiß weiß, daß Verschwendung ihn nichtverunzierte, so sehr es den Anschein hat: so will ich allenAnschein durch die Nachricht wegnehmen, daß er jeden Sonn-abend sein Pfund Fleisch im Zölibate kaufte, aber — dennsonst bewiese es noch nichts — nicht aß. Er aß allerdingseines und mit dem Löffel; aber es war vom vorigen Sonn-abend. Der unvollkommne Charakter holte nämlich jedenSonnabend sein Andachtfleisch aus der Bank und veredelteund dekorierte damit sein Sonntag-Gemüs. Aber er nahmnichts zu sich als den vegetabilischen Theil. Am Montagbatt' er den thierischen noch uud würzte mit ihm ein zweitesGemüs — am Dienstage arbeitete das abgekochte Fleisch mitneuem Feuer an der Kultur eines frischen Krautes — amMittwoch mußt' es vor ihm mit matten Fettaugen auf einerandern Kräutersuppe liebäugeln — und so ging es fort, bisendlich der Sonntag erschien, wo das ausgelaugte Fleisch-gcäder selber zum Essen, aber in einem andern Sinne kam,und Röpcr das Pfund wirklich aß. Eben so kann man miteinem Pfund Leibnitzischer, Rousseauischcr, Jakobischer
') Friederich Jakobi in Düsseldorf. Wer an seinem Woldemar— das Beste, was noch über und gegen die Enzyklopädie ge-schrieben worden — oder an seinem Allwill — wodurch erdie Stürme des Gefühls mit dem Sonnenschein der Grund-^ sähe ausgleichet — oder an seinem Spinoza und Humcdas Beste über, für und gegen Philosophie — die zu großeGedrungenheit (die Wirkung der ältesten Bekanntschaft mitallen Systemen) oder den Ticfsinn oder die Phantasie odereinige Züge, die gewisse seltnere Menschen heben, bewun-dert: einem solchen wird dabei das erste Anbellen, unter wel-chem Jakobi in den Tempel des deutschen Ruhmes tretenmußte, sehr widrig ins Ohr fallen; aber er muß sich nur er-innern, daß in Deutschland (nicht in andern Ländern) neueKraftgeistcr immer an der Tcmpelschwelle anders empfangenwerden (z. B. von bellenden Dreiköpfcn) als im Tempel selber,