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drückt? Eine Unachtsamkeit gegen die Dame selbst könntevielleicht noch beschöniget werden; aber die gegen eine Freun-din derselben geht ihre Eigenliebe näher an, da jeder seinenFreund noch weit mehr als sich selber liebt, wie schon Ciceroaus dem Grunde versichert, weil man für den Freund Tugen-den in Gefahr setzt, die man blos dem eignen Vortheile nieaufgeopfert hätte. Man verzeihe mir diese anscheinende Weit-läufigkeit über die Größe der oftgedachten Beleidigung:konnte ich wol anders als nach dieser Vorbereitung demLeser die hohe Meinung von der Dame beibringen, wenn ichihm melde, daß sie diese unerhörte Beleidigung dem fremdenHerrn gleichwol von Herzen verziehen hat, daß sie nicht aufRache gesonnen, daß sie sogar gleich dem Christen oder gleichdem Cäsar, dem nichts aus dem Gedächtnisse zu kommenpflegte als fremde Beleidigungen, sich öffentlich gegen denFeind ihrer Freundin angestellt, als ob sie sein Vergehenund sogar ihn selbst ganz vergessen hätte? — Ich bin ge-wiß, in meinem Leser ist nun an die Stelle seiner vorigenzweideutigen Meinung von ihr eine vortheilhaftere getreten,und vielleicht hat selbst mancher unbedachtsame Lacher seinenvoreiligen Spott über ihre edle Vergessenheit wieder zurück-genommen, Wenn wir noch dazu setzen, daß der fremdeHerr gar schon der neunte Gegenstand ihrer Verzeihung ge-wesen, so werden wir vielleicht wol kaum mehr in Zweifelsein, ob sie dem Petrus vorzuziehen ist, der nur siebenmaldes Tages seinem Nächsten vergeben mag; ja wir können,ohne mit unserer Parteilichkeit für sie über die Gränzender Wahrheit zu gehen, aus den Proben ihrer Versöhnlich-keit das Vertrauen fassen, daß es ihr mit der Zeit sogarleicht ankommen werde, es in der Befolgung eines gewissenGebotes des neuen Testamentes so weit zu bringen, daß sienicht nur den Backenstreich, den ihre Freundin empfangen,