Band 
[Ein und dreissigster Band. - Zwei und dreissigster Band.]
Seite
36
JPEG-Download
 

3 «

Sinne, habe ich zwar richtig erhalten, aber nachher nicht er-halten ober konserviert, sonbern ausgetrunken — und zwarmit einigen guten Freunden, die es vorher für mich kredenz-ten; denn ich fuhr so lange fort, bis sie wiederkamen. WelcheErziehungen der Herzen und ins Herz dann! Herr! wirsprachen vor dem offenen Diogenes-Fasse oft frei von man-chen Sachen — nichts band unsere Zunge, höchstens dasSürplüs-Glas. Die Zunge, sagt' ich, hat keinen Haus-arrest. Die Sprechfreiheil wird ordentlich größer, je kleinerdie Zahl der Sprecher und Hörer ist — so, daß einer dieallergrößte, aber fast zügellose Denk- und Sprechfreiheil ge-nießt, der gar nur mit Einem spricht, nämlich mit sich sel-ber. Ibnbens-Oorpus-Akte! sagt seine freie Seele, und siehtihren Körper an.

Nur in der Ehe, Beste, die aus zwei kopulierten Frei-Staaten besteht, aus dem männlichen und dem weiblichen,sind noch größere Freiheiten gallicanischer Kirchen gedenkbar;der Mann hat sein libsrum-veto; die Frau hat ihres.Sprechen dann diese beiden Unmittelbarkeiten zugleich miteinander, so klingt's von weitem wie halber Zank. Dochstehen künftig friedlichere Ehen bevor, weil die Männer amZeitgeist mehr zum Nachgeben reifen; ein Ehe-Weib ist,hoff' ich (wenn die Anspielung nicht zu pedantisch ist), einvsrlium äexoneos, das, obgleich passiv mit seinen Endun-gen klingend und gebogen, doch ein handelndes Zeitwort ist,und ein Substantivum nach dem andern regiert; ein Ehe-mann mag eher Las alte Zeitwort rnpulo bedeuten. MeinStiefbruder hat sich indeß (ich bin Ihnen diese Nachrichtschuldig) vermählt mit einer zarten Wittwe, für welche einlebendiger Nach-Gatte das schönste Brustbild und Denkmalihres dahin geflohenen Strohwittwers im Himmel, und dieschon zur Nahrung ihrer ersten Wittwentrauer nichts federte,