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dasselbe nicht in seinem schönsten Aufblühen störest, wie einWetterleuchten einen blühenden Garten. Das Schön-Deutsch-land hat jetzt endlich, wenn auch spät, jene Blütenepocheerreicht, wo man alles mit größter Leichtigkeit hinschreibt,seinen Roman und seinen Vers, ohne eigentliche Gelehrsam-keit unv Kunst- und Herz-Kenntniß, ausgenommen dienöthige Reimkunde. Es ist für diese Leichtigkeit des Schrei-bens, ohne welche manche gar nicht leben und die Messe be-ziehen könnten, ein seltenes Glück, daß keine scharfe kritischeAnstalt entscheidet, sondern nur die Leseanstalten, welchesämmtlich begünstigen. Hat man einmal seine Theemaschinevon Schreibzeug voll und heiß gemacht: so kann man derWelt, die umher sitzt, ewig einschenken, ohne daß derSchriftsteller oder gar die Schriftstellerin ein größeres Koch-feuer unter der Maschine zu unterhalten braucht, als dasdünne Aetherflämmchen von Liebe und etwas Ueberchristen-thum, und so kann besonders eine Schriftstellerin sich zueiner Jüdin im Paradiese erheben, welche darin jeden Tagein Kind gebiert *). Schon durch bloße Unbekanntschastmit allen dramatischen Regeln kann ein junger Poet diekühnsten Szenen erschaffen, so wie der große Prinz Eugenzuerst seine kecksten Schlachten lieferte, bevor er später nachihnen die Ordres aus Wien aufbrach, die ihm die Keckheituntersagten.
Früher und noch zu Lessings, ja zu Herders Zeiten,erschwerte das, was man Geschmack nennt, wahrhaft dasErzeugen, besonders der Gedichte, und jeder strich da aus,wo er stehen lassen und fortfahren sollte. — Aber dieseägyptische Dienstzeit ist nun so glücklich vorüber, und zwar
*) Flügges Geschichte des Glaubens an die Unsterblichkeit. B. I.