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11.
Unser Fassen der Größen.
Ob ihr gleich unter allen Größen gerade den Sternen-Himmel durch das stärkste Verkleinerungglas erblickt, so saßtihr doch seine Unendlichkeit nicht, und die Unendlichkeit derZeit hinter euch eben so wenig, als die vor euch, noch denPol-Tag der Ewigkeit, wo die Sonne immer an demselbenPunkte aufgeht und untergeht, und nicht die unendliche Tiefedes Lebens, das zugleich Seelen verkörpert und Körper be-seelt — — und dennoch wollt ihr den Allgeist, in welchemdiese Unendlichkeiten wohnen und verschwinden', auf euernLehrstühlen und Kanzeln begreifen und fassen? Nehmt nurerst das Maß vom All, eh' ihr die Gottheit umklaftert!
12 .
Die Liebe.
Wie in dem Meere, wenn es ganz gestillt unv durch-sichtig ist, sich unten der gespiegelte Himmel so leise und engemit dem obern zu Einer Himmelkugel verwölbt, daß dieSchiffenden, wie ungetragen, in einem leichten Aether derWelt hinznschweben glauben: so weiß die Liebs Wirklichkeitund Ideal, Erde und Himmel so enge zu vermählen, vaßalles weicher Himmel ohne harte Erde wird, und alle Ver-gangenheit und Zukunft zu Gegenwart. Denn die Liebebegehrt nichts als das Jetzt, das sich blos unverändert ver-längern soll; und darum ist sie eben so unerschöpflich-reich,weil ihr Jetzt alle Geschenke der Zukunft ersetzt und darreichtdurch bloßes Nahesein und Aneinanderdenken. Die Liebebehält immer die heiligen Sternbilder ihres Himmels ausunsrer umrollenden Kugel über sich; denn welche Bilder