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II. Knabenjahre.
war ein Paar Jahre älter als ich, und ich schwärmte fürsie, wie so oft Knaben für eine heranreifende Jungfrau,die ihnen als Persönlichkeit so überlegen sein kann. Siewußte meine Anbetung in den Schranken ruhiger undwürdiger Freundschaft zu erhalten, und da sie leider sehrjung verschied, so darf ich sagen, daß sie unserer Freund-schaft ein Denkmal hinterlassen, durch ein Geschenk an demich mich auch in jetziger Zeit mit dankbarem Herzen freue.
Dieses Geschenk war ein Buch und zwar LoniI1/8LneorunAsinoiit« c!o In sornisWs. Mir ist es rüthselhaft,daß dieses Buch hat in Vergessenheit gerathen können. Esenthält lauter Erzählungen, die sich auf hübsche Vorfälleim Leben berühmter französischer Schriftsteller vorn Endedes vorigen Jahrhunderts beziehen. Der Sinn dieser Vor-fälle läuft meistens darauf hinaus, daß das Verdienst jenerHelden des geistigen Lebens auf mehr oder weniger über-raschende Weise durch die thatsächliche Anerkennung vonSeiten sogenannter Standespersonen geehrt und belohnt wird.Auf die Güte des Herzens wird dabei eben so viel Werthgelegt wie auf die Hervorragung des Geistes. Ganz be-sonders groß ist aber in dem reizend geschriebenen Buchedie Rolle der Frau, der feinen gesellschaftlichen Bewegung,der sie das Steuer hält, der Sittenanmuth, die in Frank-reich so wohl thut und von Bouilly so verführerisch ge-schildert wird, daß Einem das Leben der von ihm in'sAuge gefaßten Pariser Gesellschaft als ein Ideal erscheint.Das Buch hat mir einen unberechenbaren Dienst geleistet.Mein Verlangen mich auszuzeichnen ward durch dasselbe