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Für meine Freunde : Lebens-Erinnerungen / Jac. Moleschott
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114
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114 IV. Hochschule.

darein drängen ließen. In einer kalten Oktobernacht saßich, verschnupft, zwischen zwei Nachbarn, mit denen ichimmer einige Rippenstöße wechseln mußte, wenn ich meinesTaschentuches bedürstig war. Nach einer solch' unbequemenReise kamen wir in Gießen an, als die Nacht noch graute.Sowie ich ausgestiegen war, fragte ich nach demRappen",dem Wirthshanse, in welchem damals alle Natursorscher,die nach Gießen kamen, einkehrten. Dieselbe Stimme, diemir auf der Fahrt so nahe gewesen, gab mir sofort freund-lich Bescheid. Ich schlief ein mit dem Vorsätze, mich güt-lich zu thun und mich am folgenden Morgen behaglichauszuschlafen. Aber ich war schon früh bei der Hand, zufrüh, um so große Häupter wie Liebig und Bischofs,meinen ehemaligen Lehrer der Physiologie aus Heidelberg,besuchen zu können. Ich wagte es bei einem Jüngeren,und hatte mir als solchen Hermann Kopp ersehen. Ichschelle an seiner Thür, die Magd sagt mir, der Herr Pro-fessor sei da, aber er liege noch zu Bett, er sei sehr spätvon der Reise nach Hause gekommen. Natürlich wollte ich michsogleich bescheiden zurückziehen; das Dienstmädchen beschwörtemich, es nicht zu thun, sie werde immer gezankt, wenn sieeinen Fremden unangemeldet abziehen lasse. Während ichnoch mit ihr unterhandle, höre ich dieselbe Stimme vomStellwagen und vomRappen" mir freundlich zurufen, ichmöge doch hereinkommen, und eine halbe Minute daraufsaß der nachmals so berühmte Hermann Kopp in einem un-beschreiblichen Morgengewande mir gegenüber, indem ermir auf die lebhafteste Weise seinen Streit mit Schrötte