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Die Kämpfe um Dijon im Januar 1871 und die Vogesenarmee : nach den kriegsarchivalischen Akten des Generalstabs und anderen Quellen / bearbeitet von Hans Fabricius
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In Messigny blieb Commandant Durrieu mit den Enfantsperdus de la Montagne stehen; er meldete 8 A. an den Generalstabder Vogesenarmee, dass er dem empfangenen Befehle gemäss nichtvon dort weichen und, was auch geschehen möge, dieStellungen zu halten und das Leben der Mannschaften, für die erverantwortlich wäre, zu schützen wissen würde. 1 )

Während des Kampfes in und um Messigny hatte CommandantGarnier vom Bois deVantoux aus unthätig zugesehen und seine Glossen

verdient sclion deswegen keinen Glauben, weil weder Janin noch Bordone,die gewiss die Gelegenheit benutzt hätten, einem deutschen Offizier etwasUnrühmliches nachzusagen, davon auch nur ein Wort erwähnt haben,und Lange, als er vor Garibaldi geführt wurde, von ihm mit voller An-erkennung behandelt worden ist. Dormoy erzäldt, der Offizier hätte denKrieg satt gehabt und sich während des Gefechts hinter eine Weinbergs-mauer geduckt, furchtbare Schmerzen geheuchelt und sich geweigert, sichvon den preussischen Krankenträgern forttragen zu lassen. Er wärebuchstäblich von den Bauern aufgelesen und hätte herzzerreissend ge-jammert, obgleich er nicht einmal eine Schramme gehabt. Dagegen wäreer halb betrunken gewesen und hätte auf 15 Schritte nach Wein ge-rochen. Die Bauern hätten ihm seine gefüllte Geldtasche, Helm undSäbel abgenommen; um nicht ermordet zu werden, hätte er sich füreinen Neffen des Generals v. Werder ausgegeben. Unter dem Vor-wand heftiger Schmerzen am Kopfe hätte er sich bei armen Leutenzu Bett gelegt und wie ein Kind betragen. Abends seien zwei gari-baldinisehe Beiter, die von Dijon gekommen, von einem Knaben zuihm geführt und hätten ihn aufg-efordert aufzustehen, was er verweigerte,bis Brigadier Arribaud seinen Dolch zog, worauf die Wunden schnell

f eheilt wären, er sich selbst schleunigst angezogen und ohne Hilfe einferd bestiegen hätte; hinter ihn hätte sich Arribaud gesetzt. So hätteer in niedriger Mütze und leerer Säbelscheide seinen Triumpheinzug inDijon gehalten, Nach Lieutenant Langes dienstlichem Bericht undAussagen seiner Kameraden lautet der Vorfall allerdings anders. Erhaltezwei Wunden: am Genick und am Gesäss. In einem Hause fand er vonSeiten zweier Erauen eine so gute Aufnahme und Pflege, dass man ihnwährend des Gefechts ang-esichts der Schmerzen, die er namentlich inEolge der letzteren Wunde ausstand, dort beliess, in der Annahme, dassman im Besitz des Dorfes bleiben würde. In der Nacht wurde er gegenseinen Willen von 2 Garibaldinern aus dem Bett geholt und auf ein Pferdgesetzt. Die Wunde am Gesäss bereitete ihm beim Beiten solcheSchmerzen, dass er, der ohnehin nicht reiten konnte, sich nicht auf demPferde zu halten vermochte, herunterfiel und nun auf dem Sattel fest-gebunden wurde. (i Wochen lang wurde er als Gefangener bis .Montpellierherumgeführt, oft der herabwürdigendsten Behandlung von Seiten derBevölkerungausgesetzt und erst nach dem Waffenstillstand ausgewechselt.Die Altersgenossen des Lieutenants Lange, welche ihn und sein Wesengenau kannten, während des ganzen Peldzugs mit ihm verkehrt und mitihm den Vormarsch nach Messigny mitgemacht hatten, halten ihn einerso unmännlichen Aufführung, wie sie ihm durch Dormoy zur Last gelegtwird, für durchaus unfähig und erklären jene Darstellung einfach alsLüge und Verleumdung Von Trunkenheit oder auch nur Angetrunken-sein könne bei ihm keine Bede sein: bis zum Beginn des Gefechts seier völlig nüchtern gewesen, während desselben habe selbstredend dieGelegenheit zum Trinken gefehlt. 1 ) Bo. CdE. 391. Bordone erzählt,dass dieser Offizier im Kommune-Aufstand an der Spitze einer Erei-kompagnie der Begierungstruppen im Augenblick des Eindringens derTruppen in Paris gefallen sei.