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Die Kämpfe um Dijon im Januar 1871 und die Vogesenarmee : nach den kriegsarchivalischen Akten des Generalstabs und anderen Quellen / bearbeitet von Hans Fabricius
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nete, und der von Mobilisirten geleistet wurde, achtete er nicht höher,als den zu Avallon gefundenen; er glaubte nicht, Vortruppen einesgrösseren Heerestheils oder gar der garibaldinischen Armee vorsich zu haben und wurde darüber nicht bloss zu seinem eigenen,sondern zu Aller höchstem Erstaunen von dem Ernst der Lage erstdurch die ehernen Stimmen der Feuerschlünde von Talant undFontaine belehrt.

Die Gewinnung einer günstigeren Angriffsfront wäre durcheinen Linksabmarsch auf der durch das Yal Suzon führenden Strasseimmerhin möglich gewesen; dazu hätte er aber das DetachementKroseck heranziehen müssen. Alsdann war für einen Angriff fin-den 21. Januar und für eine Besetzung von Dijon an diesem, vomOber-Kommando bestimmten Tage nicht zu denken ; in der durchden bisherigen Verlauf nicht unberechtigten Erwartung eines nichtallzu hartnäckigen Widerstandes zog es daher General Kettler vor,den Angriff sofort zu wagen.

Die Leitung des Gefechts unter den obwaltenden Umständenund bei den zerrissenen Truppenverbänden war im Allgemeinensachgemäss: sie zeigte das Bestreben eines thatkräftigen, zähenFesthaltens der eingenommenen Stellungen in der Mitte der Gefechts-linie, bis die Einwirkung der Flügelabtheilungen sich geltend ge-macht und wirksam gezeigt haben würde; dann erfolgte ein all-gemeines Vorgehen zum entscheidenden Angriff, dessen Wirkung,ungeachtet der unvorhergesehenen eingetretenen Zwischenfälle, inder Hauptsache Festhalten Garibaldis in Dijon nicht ausblieb.

Welchen Eindruck auf den Letzteren dieser Angriff gemachthat, erkennt man aus den Worten, die er in seinen 1875 beendigtenErinnerungen*) noch darüber gebraucht:Der Angriff war furcht-bar: ich sah an jenem Tage feindliche Soldaten, wie ichniemals bessere gesehen habe. Die Kolonne, welchegegen unsere Stellungen in der Mitte vorrückte, war bewunderungs-würdig an Tapferkeit und Kaltblütigkeit; dicht wie ein Platzregen,in nicht schnellem Schritt, aber mit erschreckender Gleichmässig-keit, Ordnung und Buhe kam sie an. Diese Kolonne, welche derLänge nach von unserer ganzen Artillerie und von allen unserenInfanterielinien vorwärts von Talant und Fontaine und seitwärtsder Strasse bestrichen wurde, liess das Feld mit Leichen bedeckt,ordnete sich verschiedene Male wieder in den Falten des Geländesund nahm ihre Haltung und ihr Vorwärtsgehen mit derselbenOrdnung und Buhe wieder auf. Das waren herrliche (famosi)Soldaten!

!) Mem. 473.