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Die Kämpfe um Dijon im Januar 1871 und die Vogesenarmee : nach den kriegsarchivalischen Akten des Generalstabs und anderen Quellen / bearbeitet von Hans Fabricius
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geworfen waren, von dem vorübergehenden Vordringen preussischerKompagnien fast bis an das Thor von Dijon ganz zu schweigen.Coynart tadelt Garibaldis Uuthätigkeit dieser Bewegung gegenüberwährend der ersten Nachthälfte mit mehr als 20 000 Mann aufTalant und Fontaine in scharfen Worten, ebenso wie dietolleBesetzung des 3 km von Fontaine vorgeschobenen Dorfes Haute-ville mit unzulänglichen, wenn auch zahlreichen Kräften, die einemunvermeidlichen Angriff nicht hätten Widerstand leisten können.Niemals vielleicht, sagt er, 1 )haben Dummheit, Unfähigkeit undMangel an militärischem Instinkt einen höheren Grad erreicht. 2 )Dieses Urtheil ist falsch und ungerecht.

Garibaldis Gefechtsführung erscheint zweckentsprechend. Erbeschäftigt seinen Gegner in der Mitte auf den von ihm besetzten,in der Front schwer anzugreifenden Höhen (Legion Tanara) undsucht ihn auf dem Verbindungspunkte mit der im Ouchethal vor-gehenden Kolonne durch Vorschieben einer Abtheilung (BataillonLoste) besorgt zu machen. Nachdem er ihn stundenlang mit Ge-schütz- und Gewehrfeuer überschüttet hat und mürbe gemacht zuhaben glaubt, setzt er seinen Hauptangriff gegen den äusseren Flügelund die Seite an (Canzio), seinerseits gegen Messigny durch die 4. Bri-gade und die 3. Legion Saöne-et-Loire gedeckt. Dass er Bicciottivon Messigny wog und an sich zog, war ein taktischer Fehler, der,wie wir oben dargelegt haben, unter Umständen zum Verlust von Dijonführen konnte. Das Vorgehen der Mobilisirten (Fornel) an seiner Stellewürde voraussichtlich zum Aufhalten des gegnerischen Vordringensauf Fontaine ausgereicht haben. Immerhin brachte der Fehlerkeinen Nachtheil mit sich. Mit Eintreten der Dunkelheit brannte' französischerseits der Kampf wegen Ermattung der Truppen undzeitweiligen Mangels an Schiessbedarf aus.Und da ereignete sich,sagt Garibaldi, 2 )was ich unter anderen ähnlichen Verhältnissenzwischen neuen Truppen und kriegsgewohnten Soldaten gesehenhabe: diese blieben in Reih und Glied, und die anderen suchten,unter dem Vorwand des Schiessbedarfs, des Hungers, des Durstesoder dergleichen, ihre Posten zu verlassen und sich zurückzuziehen,natürlich um die Heldenthaten des Tages zu erzählen. Und dasgeschieht vorzugsweise in der Nachbarschaft einer grossen Stadt.So konnte der letzte Vorstoss Kettlers mitten in das Herz derfeindlichen Stellung eindringen. Es ist erklärlich, dass der Aufent-halt einer stärkeren feindlichen Truppenabtheilung an dieser Stelleder Vogesenarmee im höchsten Grade lästig sein musste und unter

*) C. 83. 2 ) Mem. 474.