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Die Kämpfe um Dijon im Januar 1871 und die Vogesenarmee : nach den kriegsarchivalischen Akten des Generalstabs und anderen Quellen / bearbeitet von Hans Fabricius
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nehmen der preussischen Abtheilungen aus Bas Talant und LaFillotte nicht ermuthigend auf die Garibaldiner* wirken und sie zuweiterer Ausbeutung dieses Erfolges reizen? Konnte nicht Kettlerbei ihrer bedeutenden Ueberlegenheit erwarten, dass sie nunmehrangriffsweise verfahren würden? Derartige Erwägungen mochtenihn zu dem in obiger Meldung ausgesprochenen Entschluss gebrachthaben, nach Möglichkeit die Linie Daix - Plombieres zuhalten.

In den ersten Morgenstunden wirkten aber noch andere Ein-drücke auf ihn ein. Es war nicht zu verkennen, dass die Truppen,welche wegen Mangels an Oertlichkeiten innerhalb der am vorigenTage gewonnenen Stellung zum grössten Theil bei kalter Winter-nacht unter Schneefall ohne Holz und Stroh im Freien hatten zu-bringen müssen, die in Folge der Anstrengungen des starkenMarsches und folgenden Gefechtes im aufgeweichten Lehmbodenhöchst nothwendige Ruhe und Erholung nicht gefunden hattenAm 21. hatte sich keine Zeit und Gelegenheit zum Abkochen ge-funden ; nun stellte es sich heraus, dass dies auch am 22. wegenvölligen Wassermangels nicht möglich sein würde. 1 ) Es bildetesich daher im General die Ueberzeugung heraus, es seidurchausnothwendig, zur Schonung der Leute am 22. rückwärts Kan-tonnements beziehen zu lassen 2 ) und ihnen hier Gelegenheit zumAbkochen zu geben. Dies sollte unter dem Schutze der in derLinie Daix-Plombieres stehen bleibenden Vorposten in den Ortschaftenauf der Linie Prenois-Etaules geschehen.

Aber die Ausführung dieses Entschlusses war nicht einfach.Der um Mitternacht begonnene Schneefall hatte aufgehört; diescharfe Nordostluft trieb nur noch vereinzelte Flocken den Truppenins Gesicht. Aber ein ausserordentlich dichter Nebel wogte vonNordost nach Südwest unten in den Thälern und verbarg beidenTheilen den Blick auf die Höhen und auf die dort befindlichenTruppen. Trotzdem oder vielmehr gerade deswegen hatte sich schonvon Tagesanbruch an bei den Vorposten ein selten unterbrochenesKleingewehrfeuer entsponnen. Die beiderseits zahlreich vor-geschickten Sicherheitsstreifen stiessen unerwartet auf einanderoder auf die Vorposten. Wer konnte wissen, was dieser Nebel-schleier hinter sich verbarg? Konnte nicht Garibaldi unterseinem Schutze seine frischen Kräfte bereits unterhalb seiner Höhen-stellung zum Angriff gegen den sicherlich im Laufe des gestrigen

r) Kr. T. B. 8. Inf.-Brig. in Kr. A. K. I. 15. 2 ) Meldung vom25. Jan. in Kr. A. P. III. 5 U- S. 223.