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Leitfaden zur Einführung in das Studium der Agrarpolitik / von Dr. Gustav Ruhland
Entstehung
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Einleitung.

Die nationalökonomischen Theorienin ihrer Entwicklung.

§ 1. Wer immer in das Verständnis der großen wirtschaftspolitischenAufgaben unserer Zeit tiefer eindringen will, der muß an die Spitze seinerBetrachtungen jenen Satz des preußischen Finanzministers Dr. Miguel stellen,welcher lautet:Die Nationalökonomie ist die Summe der Kon-sequenzen, welche gezogen werden aus dem jeweiligen Zustandeder gewerblichen, industriellen und sozialen Entwicklung/' Es istunbedingt notwendig, unsere sämtlichen nationalökonomischen Schulsysteme inden Brennpunkt dieser Erkenntnis zu rücken, sonst fehlt uns jeder leitende Ge-danke für die richtige Beurteilung dessen, was bisher agrarpolitisch als richtiggegolten hat und was sich aus unserer Zeit und unseren Verhältnissen anneuen Ideen zur Anerkennung durchringen will und muß, indem es die altenTheorien aus der gesetzgeberischen Praxis verdrängt. Und deshalb kann esfür alles, was wir des weiteren zu sagen haben, gar keine bessere Vorbereitunggeben, als diese Einführung in den Geist der Entwicklung unserer national-ökonomischen Theorien und in den Zusammenhang der Entstehung derselbenaus dein Bedürfnis ihrer Zeit.

1. Das Merkantilsystem.

§ 2. Nach Beendigung der Krcuzzüge im Mittelalter »ahm der Wohl-stand und Reichtum der Städte des Mittelmeeres wie des Donau - und Rhein-gebietes einen mächtigen Aufschwung. Das Bürgertum erstarkte. Die gewerb-liche und industrielle Thätigkeit löste sich aus der leheusstaatlichen Gliederungheraus und wurde ein selbständiger wirtschaftlicher Faktor neben dem Grund-besitz und der Landwirtschaft. An die Stelle des Rittertums und seiner Ge-folgschaften im Kriege trat das Soldheer, an die Stelle der grundherrlichenVerwaltung ein besoldeter Beamtenstand. Und im Mittelpunkt all dieser tief-einschneidenden Veränderungen stand der Handel mit seiner Ein- und Ausfuhrund der Geldverkehr.

Nuhland.

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